Samstag, 27. Mai 2017

Kennt jemand Neu-Sülitz? Ich auch nicht.

Gelegentlich sehe ich, dass meine Garderobe erneuert werden muss. Das bedeutet, in ein Bekleidungsgeschäft zu gehen, Sachen aussuchen, einige davon anprobieren müssen und hinterher feststellen, dass das Licht im Geschäft ein anderes Licht ist als das, in dem ich mich normalerweise aufhalte: Zuhause sieht vieles dann anders aus. Egal; meine Auswahl erscheint mir dennoch hinreichend gut.

Kleidung einkaufen ist keine Lieblingsbeschäftigung von mir; habe auch viel darüber nachgedacht, warum das wohl so ist; zu einem schlüssigen Grund bin ich bislang nicht gekommen. Deshalb bereite ich das gut vor: mich mental und mit der Erstellung einer Liste, was ich zu kaufen gedenke. Ich plane auch den Tag, wann es losgehen soll, ja und auch die Uhrzeit. Ich möchte sehr früh im Geschäft sein. Es ist mir recht, wenn da noch nicht allzu viele Menschen einkaufen und die Verkäuferinnen und Verkäufer sind auch noch frisch und hilfsbereit. Die Hilfsbereitschaft nehme ich gerne in Anspruch: Ich beschreibe, was ich mir so vorstelle und bekomme mir angemessenen Lösungen vorgeschlagen.

Meine Planung betrachte ich als vollen Erfolg. Vom aus der Haustür heraus gehen bis zum Wiedereintritt ist weniger als eine Stunde vergangen und ich habe meine Sommergarderobe erneuert und vervollständigt.

Mit meinen zwei Hosen, drei Hemden und zwei Poloshirts gehe ich zum Ort des Bezahlens. Nein, die Dinge habe ich nicht in Händen, sondern nur entsprechende Zettelchen. Alles was ich wollte, wurde schon zur Kasse weiter geleitet. Mit den von den Kleidungsstücken abgetrennten Belegen wird mein Einkauf dann dort wieder zusammengestellt. Sehr praktisch wie ich finde.

Die Dame am Bezahlcomputer fragt „Mit Karte?“ „Ja“ „Und Ihre Postleitzahl ist  … ?“
Und da war sie wieder: Die Frage in der sich innerlich bei mir eine Sperre aufbaut. Warum und wieso kann ich eigentlich gar nicht wirklich begründen, es ist nun einmal so. Ja, mir ist schon klar, dass das Geschäft seine Kunden kennen lernen möchte, für Marketing und so; halte ich auch nicht wirklich für schlimm. Mich darf jedoch auch aus einer anderen Perspektive kennen gelernt werden …

12345. Ich sage allerdings nicht eins zwei drei vier fünf sondern zwölf dreihundertfünfundvierzig; das klingt authentischer.
„Hm … diese Postleitzahl gibt es gar nicht.“
Mist, das hatte sonst immer funktioniert. Die Kassencomputer sind offenbar schlau geworden.
„Ist es wirklich zwölf dreihundertfünfundvierzig?“ fragt mich die Dame.
Sie hat die Frage noch nicht ganz beendet und ich spürte, wie die Pferde anfingen, mit mir durch zu gehen …

„Ja, das ist sie, glaube ich. Bin da eben erst neu hingezogen. Das ist Neu-Sülitz, wissen Sie. Das ist ein Ort, da ist wirklich nichts, außer weite Felder und Wiesen und etwas Wald. Wir haben in dem Ort noch nicht einmal ein Lebensmittelgeschäft. Zum Einkaufen muss ich immer nach Rostock fahren; wenn ich mich besser auskenne, finde ich ja auch noch eine näher gelegene Einkaufsmöglichkeit. Aber als ich beschloss mich nun als Privatier aus dem Berufsleben zurück zu ziehen, war das genau der richtige Ort für mich. Das Haus habe ich günstig erwerben können … „

Als ich das Geschäft verließ sah ich noch immer das milde Lächeln der Dame an der Kasse. Was genau sie gedacht hat, werde ich nicht erfahren. Möglicherweise musste sie einfach nur feststellen, dass die bekloppten Kunden auch immer früher einkaufen gehen.










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