Samstag, 23. Juli 2016

Erinnern wir uns doch mal

Nur mal ganz kurz:
Ich war 15 oder 16 Jahre alt und meinte zu Ansichten hinsichtlich politisch „richtigen“ Handelns gekommen zu sein.
Es war Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts und der Kalte Krieg loderte so vor sich hin und flammte zwischendurch auch anlässlich des Nato-Doppelbeschlusses gefährlich auf.
Zu der Zeit war ich der Ansicht, dass unser (westliches, demokratisches, menschenrechtsbasiertes) „System“ auch mittels Einsatz von Atomwaffen verteidigt werden müsste, wenn es denn mal angegriffen werden würde.
In irgendeinem Gespräch bei uns zuhause hatte ich das auch mal so ähnlich formuliert. Meine ältere Schwester (4 Jahre älter als ich) war ganz entsetzt darüber; sie meinte, dass das keine gute Idee sei, um nicht zu sagen, ich sollte mal meine Einstellung tiefer gehend prüfen. Sie beließ es nicht beim Entsetzen. Tags darauf stellte sie mir einen Stapel Bücher in mein Zimmer mit der Bitte, diese doch einmal zu lesen.

Da ich bereits die Erfahrung hatte, dass Buchempfehlungen meiner Schwester immer lohnenswert und gewinnbringend sind, arbeitete ich mich durch den Stapel.

Leider erinnere ich mich nicht mehr an all diese Bücher. Zwei sind mir im Gedächtnis geblieben.
„Der Fall Proteus“ von Morris L. West beschreibt, wie ein Kämpfer gegen den Terrorismus selber zum Terrorist werden kann, wenn er oder sie persönlich in eine Zwickmühle gerät.

Das andere Buch ist „Der SS-Staat“ von Eugen Kogon. Das hat mich, um es mit heutiger Ausdrucksweise zu beschreiben, total geflasht. Ein Überlebender des Holocaust, der Jahre in einem Vernichtungslager überstanden hatte, beschreibt hinterher nach vollbrachter Recherche das System in extrem sachlicher Art und Weise. Im gesamten Buch ist niemals die Rede von KZ für Konzentrationslager, sondern immer nur KL, was ja auch die sinnvollere Abkürzung ist. Das einfach nur beispielhaft.

Hat mich der „Stapel“ verändert? Kurz danach sicherlich nicht, aber ich weiß es nicht genau; auf Dauer ganz gewiss.

Als wir noch alle gemeinsam zuhause waren, gab es für mich von meiner Schwester immer ein Buch zum Geburtstag und es war immer ein sehr passendes Buch zur entsprechenden Zeit.

Vielen Dank, liebe Caren.








Freitag, 8. Juli 2016

Wir sind noch nicht so weit

Mein Gefühl sagt mir, dass ich in einer Welt / einer Gesellschaft lebe, mit der ich nicht so ganz kompatibel bin.
Das mache ich z.B. an den Nachrichten fest, die uns unsere Medien liefern. Mit Medien meine ich Zeitungen, Internet, Fernsehen oder Radio (da kann ich nur vermuten, da ich es schon seit Jahren nicht mehr schaue, bzw. höre).

Für den Journalismus gilt offenbar immer noch die Formel, dass schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind. Was bedeutet das?

Berichtenswert ist wohl nur das, was Menschen (einer möglichst großen Anzahl) Schlimmes geschehen ist: Erdbeben, Tsunami, Massenkarambolage auf der Autobahn, Revolte und Revolution, die nicht zu unserem Mainstream passen wollen.
Das sind die Ereignisse, denen wir mit Interesse begegnen, daraus grauselige Gedanken entwickeln und zu dem Schluss kommen, dass die Welt einfach nur schlecht ist und wir unbedingt Anstrengungen unternehmen müssen, uns zu schützen, wovor auch immer.

Meiner Ansicht nach führt das permanente Hereinprasseln von unerwünschten Ereignissen aus aller Welt, die uns in unserem eigenen Leben nicht wirklich betreffen, zu falschen Schlussfolgerungen.
Und diese ungeeigneten Schlussfolgerungen sind auch die Folge davon, dass wir nicht wirklich und vollumfänglich informiert wurden.
Der Bund der Steuerzahler beklagt regelmäßig die Verschwendung von Steuermitteln und führt auch Beispiele auf. Wir erfahren allerdings nie, wie es zu der jeweiligen Entscheidung der jeweiligen Behörde gekommen ist. Um den Tatbestand tatsächlich beurteilen zu können, fehlen uns die entscheidenden Informationen um nicht zu sagen, sie werden uns vorenthalten. Die Berichterstattung, wie sie geschieht, will uns nicht informieren, sondern Gefühle in uns erzeugen. Für eine Bewertung der Lage ist das allerdings mehr als ungeeignet.

Gerne würde ich eine Zeitung lesen, Radio hören oder Fernsehen schauen, in denen davon berichtet wird, was so in letzter Zeit alles erreicht wurde. Wir können jetzt Gravitationswellen detektieren, das Concept of Proof des Wendelstein 7x scheint aufzugehen, die Gesamtschule in Bünde hat ein Workaround zur Inklusion von geflüchteten Schülern entwickelt …

Im Bewusstsein zu leben, was alles erreichbar und förderlich für Menschen ist, halte ich für einen Fortschritt in die Zivilisationsstufe 2.0.

Wenn ich diese Idee mal im Kollegenkreis nur anreisse, kommt mir nicht selten ein Wort wie „Idealist“ entgegengeschleudert. Und das ist dann auch eher als Vorwurf gemeint.
Meine Entgegnung, dass ich es durchaus ertragen kann, zwischen ideenlosen Menschen zu leben, führt zuweilen zu betretenem Schweigen.