Samstag, 23. Januar 2016

Mein Name ist Patrick

Wir befinden uns auf der Rückfahrt von einer beruflichen Veranstaltung unserer Firma. Es gab viele Vorträge. Ich weiß nicht mehr, wie oft Menschen mir mittlerweile etwas von Zeitmanagement erzählt haben oder wie ich mich auf die Zukunft vorzubereiten hätte. Der übliche Business-Sprech halt. Das Gehörte ernst zu nehmen gelingt mir immer weniger.

Zum Berliner Hauptbahnhof fahren wir mit der S-Bahn. Es sind ein paar Stationen, in denen Menschen aus- und einsteigen.

An einer Station steigt Patrick ein. Ich kenne ihn nicht und dass er Patrick heißt, weiß ich nur von ihm selbst. Er bleibt an der Tür stehen und richtet seinen Appell in den ganzen Wagen hinein:

„Guten Morgen liebe Fahrgäste. Mein Name ist Patrick. Ich bin obdachlos und habe auch keine Arbeit. Ich möchte Sie an diesem Samstagmorgen auch nicht stören und wünsche Ihnen einen schönen Tag. Ich verkaufe diese Zeitung hier und auch wenn Sie sie nicht kaufen möchten freue ich mich über eine kleine Spende für einen warmen Kaffee oder auch für ein kleines Frühstück.“

Mit nicht sehr fester Stimme und ein wenig zitternd trug Patrick diese Worte im Abteil vor; in der Hand einen Pappbecher zum Sammeln der Münzgeldstücke und immer wieder freundliche und entschuldigende Worte findend für sein Tun.

Patrick, dessen Alter ich nicht einschätzen kann (zwischen 25 und 40)  in Jogginghose, dünnen Turnschuhen ohne Mütze, Schal und Handschuhe an einem sehr kalten Tag schlurft durch den Wagen, das linke Bein hinter sich her ziehend und die ein oder andere Münze einsammelnd.

Eine Münze von mir war nicht dabei. Das war ein Moment, in dem ich mich meiner mangelnden Fähigkeit zu spontanen Aktionen nicht mehr mochte.

In unserem beschaulichen Lübeck sticht diese Art von Armut noch nicht so sehr in der Öffentlichkeit hervor wie in einer Großstadt wie Berlin, obgleich es diese Armut auch in Lübeck gibt. Ich bin an diese Situationen nicht gewöhnt. Jede neue soziale Interaktion muss von mir eingeübt werden; zuweilen hasse ich es, dass ich so bin.

Meine soeben vorgenommene Spende an die Obdachlosen-Hilfe e.V. Berlin wird diesen Patrick gewiss nicht erreichen. Ich tat es für mein Gewissen.

So sehr ich es überhaupt nicht mag, Geld außerhalb meiner Geldbörse aufzubewahren, so sehr werde ich mich anstrengen, ab jetzt immer etwas Geld einfach leicht zu erreichen in meiner Hosentasche zu haben.












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