Samstag, 10. Oktober 2015

Die Vergangenheit ruft an

Das Telefon klingelt.
„Hallo, hier ist der Horst.“
Stimmen kann ich mir gut merken, besser als vieles andere und ich wusste in der ersten Sekunde, das ist der Horst von damals. Ich hatte recht, das war er.
„Hallo Volker, da hab‘ ich dich doch noch gefunden. Wir wollen uns mal wieder treffen … “

Vor 33 Jahren wurden wir mit der Mittleren Reife in der Hand aus der Schule entlassen. Ein Teil des Lebensweges war abgeschlossen. Und abgeschlossen war leider auch die Verbindung zu Menschen, mit denen ich Tag für Tag im gleichen Raum saß und tolle und weniger tolle Themen lernte.

Der Teilnahme sagte ich spontan zu und im Anschluss wunderte ich mich über meine Spontanität sehr, weil sehr ungewöhnlich. Nun ja, das Treffen sollte ja erst in ein paar Monaten stattfinden.

Ich hatte einen Weg von 300 km und eine Übernachtung zu planen. Kleinigkeiten für die meisten Menschen, für mich jedoch schon eine kleine Herausforderung. Mir gelang die Herausforderung.

Die Lokalität befand sich mitten in dem Ort, in dem auch unsere Schule stand. Horst hatte gut organisiert. Ein Buffet, das für alle etwas bot und Getränke sowieso.

Die Hinreise war die Zeit der Überlegung. Wen kennst du? Wer sollte auf jeden Fall dabei sein? Erkennst du sie wieder?

Fast alle erkannte ich und mein fragendes Gesicht ergab auch sofort die Antwort. „Kerstin, wir hatten drei davon … “

Im Mainstream werden Klassentreffen ja gerne durch den Kakao gezogen a la „Hey, schaut her, ich habe dies und das geschafft … “  Diese Klischees gab es nicht.

Thomas bearbeitet den Erdhub für seine Werkstatt mit einem Spaten und wird von Horst gescholten, nicht einen Kleinbagger beschafft zu haben.

Sabine lebt mit ihrem Mann wieder im elterlichen Zweifamilienhaus.

Ulrichs Vater starb am Tag zuvor. Er kam von weiter weg als ich und er freute sich auf dieses Treffen seit Monaten.

Von Andreas weiß ich jetzt, was es mit Hundeallergien auf sich hat.

Wenn ich bei all diesen Menschen Stolz gespürt haben mag, dann war es immer Stolz auf die eigenen Kinder.

Das Treffen selber konnte ich mit einem guten Gefühl verlassen; ich lebe und hatte auch noch keinen Schlaganfall. Nicht alles, was ich tat, war offenbar grundverkehrt.






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