Samstag, 26. September 2015

Wunsch und Wirklichkeit

Als ich noch in Nordrhein-Westfalen lebte nutzte ich sehr oft die Möglichkeit, das Freilichtmuseum in Detmold zu besuchen. In diesem Museum sind Bauernhöfe aus mehreren Jahrhunderten aus Deutschland zusammen getragen worden. Und die Bezeichnung „zusammen getragen“ trifft es auch ziemlich genau. Alte, sehr alte, Gehöfte wurden abgebaut in dem sie in ihre Einzelteile zerlegt wurden und im Museum dann wieder zusammen gesetzt also wieder neu aufgebaut wurden.

Das Freilichtmuseum zeichnet sich für mich dadurch aus, dass es erstens sehr weitläufig ist, dass es eine ungemein liebliche Detailtreue an den Tag legt und dass es lebt. Dass es lebt heißt, das in dem Museum ursprüngliche Tätigkeiten nachgelebt werden: Es wird gesponnen, geschmiedet, gesät und geerntet; früher vorkommende Tierarten, die es heute so nicht mehr gibt werden zurück gezüchtet; ebenso nicht mehr bekannte Apfelbäume, deren Früchte in der Saison im Museumsshop zum Verkauf angeboten werden.

Sehr oft bin ich durch dieses Museum gewandert und der Begriff Wandern ist durchaus angemessen: es ist, wie schon geschrieben wirklich sehr weitläufig.

In den Bauernhäusern faszinierte mich immer wieder die funktionale Einfachheit verbunden mit handwerklich geschickt angefertigten und schön anzusehenden Möbeln. Das alles wird umrahmt von olfaktorischen Erlebnissen. Es ist schlicht unmöglich, Gerüche zu beschreiben. Altes Holz, Stroh, Heu und Erzeugnisse aus Leder; ich bedaure es sehr, keinen Jean-Baptiste Grenouille beauftragen zu können, daraus ein Parfüm herzustellen.

Beim Durchstreifen der Häuser gebe ich mich ungeniert der Idylle hin, wohl wissend, das rein gar nichts daran etwas mit Idylle zu tun hatte. Das Zimmer des Knechts ist klein und hat auch im Winter mangels einer Heizung Außentemperatur. Darin steht ein Bett, ein Hocker, das Nachtgeschirr und eine Truhe, die mit viel Glück von allem zwei hatte: Zwei Hemden und zwei Hosen. Das es auch ein zweites Paar Schuhe gab, nein, soviel Glück war schlicht unmöglich.
Fließend Wasser gab es allenfalls am nahe gelegenen Bach und es war kalt, immer. Das mit dem Waschen ließ eins dann lieber sein, aber was soll‘s, wenn alle stinken fällt es dann auch niemandem mehr besonders auf.
Wenn ich meinen eigenen Wunsch nach Einfachheit und Überschaubarkeit mit diesen Gegebenheiten abgleiche, muss ich mindestens schmunzeln. Einfach ja, aber bitte modern.

Und die Idylle? Ja, sie ist trotz allem in meinem Kopf.