Samstag, 1. August 2015

Chiara und die alte Abtei
Chiara Ravenna

Die Geometra Chiara erhält den Auftrag, im Süden Italiens eine verlassenen Abtei zu dokumentieren, weil diese unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Die auf dem Weingut ihrer Eltern lebende Chiara macht sich mitten im heißen Sommer auf den Weg in das kleine Dorf Coresi und erfüllt ihren Auftrag.

Das ist der Rahmen eines Buches, das eher unspektakulär, leicht zu lesen und italienisches Ambiente verströmend daher kommt.

Als ich las, Italien und Abtei fiel mir sofort Ecos Name der Rose ein; doch dieses Buch hat damit überhaupt nichts zu tun, außer, dass es in Italien spielt und es auch um eine Abtei geht.

Tiefgang darf eins nicht erwarten und das schreibt die Autorin auch recht geschwind zu Anfang des Buches. Es ist eine leichte, fröhliche Sommer-Lektüre, die ich zu gerne in einem großen, etwas verwilderten Garten unter dem Schatten eines Baumes gelesen hätte, während die im Buch oft zitierte Sommerhitze um mich herum flimmerte.

Chiara ist der Typ Mensch, der mich immer wieder fasziniert. Sie hat es drauf, sich in atemberaubender Geschwindigkeit mit fremden Menschen bekannt zu machen und versteht es, die Hilfe dieser Menschen anzunehmen; etwas, das mir niemals gelingen wird.
Sie fährt einfach in das Dorf Coresi, ohne vorher klar gemacht zu haben, wo sie denn dort unterkommen könnte. Erste Anlaufstelle ist Francescos Bar, der ihr als alteingesessener Dorfbewohner umgehend eine Wohnung vermitteln kann.

Die Facetten der Abtei, um die es geht, umklammern die Handlungen des Buches. Eine lokale Baugröße möchte sie am liebsten abreißen, um dort ein gewinnbringendes Hotel zu errichten, andere forschen nach Schätzen und wiederum andere erforschen die Geschichte des Bauwerks.

Das mit den Schätzen hält Chiara für eine Legende und wird am Ende des Buches mit dem Gegenteil überrascht. Der Baugröße schlägt sie ein Schnippchen, indem sie en passant Beweise vorlegt, dass die Abtei eine Fundstelle für Archäologen ist und damit auf Jahre der Wissenschaft zur Verfügung zu stehen hat.

Und immer wieder Chiaras Restaurantbesuche. Wäre das Buch die ganze Welt oder ein eigener Kosmos, müsste eins diese Besuche als legendär einstufen. In einer ihr unbekannten Gegend gelingt es ihr, auf den Punkt genau die besten Restaurants zu finden. Nun ja, für mich ist das beeindruckend, für eine Italienerin, die hervorragendes Essen zu schätzen weiß, ist ihr das wohl in die Wiege gelegt worden. An Beschreibungen, was Menge und Qualität der Gerichte betrifft, mangelt es in keinster Weise. Auf mich erzeugte das den Eindruck: Das ist südländische Lebensart. Nach dem Lesen des Buches hatte ich das Gefühl, 3 kg zugenommen zu haben. Dass das nicht wirklich passierte ist schon klar und am Ende des Buches klärt die Autorin auch auf: Viel essen ist nicht gleich viel essen. Es geht um die Qualität und um die Art und Weise des Essens. Variantenreiches Essen wird genossen und das in der Zeit, die dafür erforderlich ist und dauert es auch drei Stunden.
Sehr interessant für mich war, dass sich die besten Restaurants dadurch auszeichnen, dass sie gar keine Menükarte haben. Eins geht hinein, lässt sich einen Tisch zuweisen und fragt nach Empfehlungen. So genial ich das empfinde, so sehr wäre ich irritiert, um nicht zu sagen verstört, wenn ich keine Menükarte vorfinden würde. Ich bin nun mal so gestrickt.

Mit Chiara und die alte Abtei durfte ich für kurze Zeit in eine andere mir fremde und doch angenehm wirkende Welt hüpfen. Der Schreibstil trug dazu bei, dass ich das Gefühl hatte, mich immer in Echtzeit neben Chiara und ihren Erlebnissen zu befinden.








Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen