Mittwoch, 20. Mai 2015

Ich bin besser als du

Wir leben in einer Zeit, in der viele und auch tiefgreifende Veränderungen stattfinden. Ja, ich hätte auch schreiben können, draußen findet Wetter statt. Zu jeder Zeit gab es Veränderungen, nur die, die jetzt stattfinden erleben wir qua lebendig sein und lesen es nicht in Geschichtsbüchern, die, was das Menschliche angeht so grob sind wie ein Netz zum Luft fangen.

Menschliche Aktivität beeinflusst das Klima. Dieser Satz in bestimmten Kreisen geäußert würde dazu führen, dass ich Haue bekäme. Ja ne, ist klar, Jahr für Jahr seit 150 Jahren zusätzlich eine Chemikalie in die Umwelt aussetzen verhält sich selbstverständlich neutral.

In den 70ern des letzten Jahrhunderts gab es noch jede Menge an Serien und Filmen, in denen geraucht wurde, so als würde das noch extra honoriert werden. Gibt es heute kaum noch, sehe ich zumindest nicht mehr.

In dem o.g. Zeitraum stand die gleichgeschlechtliche Liebe noch unter Strafe. Das Strafgesetz sah sogar mehrjährige Gefängnisstrafen vor. Wenn die Selbstverständlichkeit dafür auch heute noch nicht bei jedem angekommen ist, so sehe ich doch, dass sich Homosexualität institutionalisiert. Will heißen, jede Organisation, die etwas auf sich hält vermeidet immerhin den Eindruck von Homophobie, ja und der Rest erledigt sich durch Aussterben.

Tja, meine Sozialisation geschah unter anderem mit dem Einsatz von Fleisch, Milch und Eiern. Und damals gab es bereits Menschen, die sich als Vegetarier bezeichneten, also immerhin auf den Konsum von Fleisch verzichtet hatten. Das war schon sehr exotisch. Heute braucht damit keiner mehr um die Ecke zu kommen; vegan muss es jetzt mindestens sein, also auch noch ohne Milch und Eier.

Vieles verändert sich, ob mir das nun gefällt oder auch nicht, es passiert halt. Viele Menschen meinen, eine Lebensform gefunden zu haben, die so gut ist, dass auch alle anderen diese Lebensform übernehmen sollten. Sie setzen sich dafür ein, werben dafür; das finde ich völlig in Ordnung.

Oft habe ich allerdings den Eindruck, dass die Werbung für das Gewollte eher ungeschickt ist.

Auf Zigarettenschachteln lese ich den Hinweis (sofern ich ihn überhaupt noch wahrnehme), „Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit“. Ja, tut es – ich gähne gelangweilt – gehe ich vor die Tür über die Straße, gefährde ich meine Gesundheit auch.

CO2-Emissionen führen zu Erwärmung und Erhöhung des Meeresspiegels. Fleischkonsum fördert das Quälen von Tieren …
Ja, ja und nochmals ja. Ich soll mein Verhalten ändern und ich sage nicht, dass ich dazu nicht bereit wäre. Um dem Laster des Rauchens abzuschwören werden mir deformierte schwarze Lungen präsentiert; warum nicht fitte Menschen, die auch noch in hohem Alter die 5 Etagen zu ihrer Wohnung hinauf spurten? (übrigens: in der Werbung der Tabakindustrie erscheinen nur fitte und toll aussehende Menschen)
Ich gebe zu: mein Fleischkonsum erzeugt auch in mir immerhin so etwas wie kognitive Dissonanz; auch ich halte die Produktionsbedingungen für mindestens fragwürdig. Veganer weisen mich oft und gerne darauf hin, gerne auch noch mit Fotos und Videos, die ich ob der darauf gezeigten Grausamkeiten nicht ansehen mag. Warum werde ich von denen nicht mit Rezepten überschwemmt, die ohne Tierprodukte auskommen? Ich täte das.

Ach ja, denke ich an Schwule und Lesben, dann habe ich ein Bild voll bunter Farben im Kopf.


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