Freitag, 13. März 2015

Europa

Frage ich mich selbst nach Europa, habe ich erst einmal keine so richtige Antwort dazu. Ja, sicher, da sind dann so Schlagwörter wie: Kontinent, viele unterschiedliche Nationen, Zankereien, Brüssel, Bürokratie, Krise.
Gehe ich oberflächlich über Presse und Rundfunk her, ist Europa gefühlt zu einem Synonym für Krise geworden, die Eurokrise zum Beispiel. Und in diesem Zusammenhang erleben wir gerade das Griechenland-Bashing. Griechenland hat enorme ökonomische Probleme und ist auf die Hilfe der anderen EU-Mitgliedsstaaten angewiesen. Das lässt viele Politiker und Verlautbarungs-Ökonomen zu  Überlegungen führen, dass es besser sei, wenn Griechenland den EU-Raum verlassen würde oder zumindest aus der Euro-Währung austräte. Dieses Thema bestimmt bereits seit längerem die aktuelle Berichterstattung und die Tagespolitik.

Niemandem wird sich Europa aus der aktuellen Berichterstattung erschließen.

Nach dem 2. Weltkrieg haben einige Staaten von Europa mit den Verträgen von 1951 (Montanunion) und 1957 (Verträge von Rom, Gründung der EWG) nicht auf einmal ihre Liebe zueinander entdeckt, sondern sind vielmehr der Erkenntnis gefolgt, dass das millionenfache gegenseitige Töten ein für alle Mal ein Ende haben muss. Stöbert eins in der Geschichte dieses Kontinents – es ist durchaus legitim, da erst bei Karl dem Großen um 800 zu beginnen – muss eins einfach nur Hochachtung und Demut den Politikern und Diplomaten erweisen, die die vorgenannten Verträge hervor gebracht haben.

Nach Karl dem Großen zerfiel das Gebiet in zwei Teile und es begann die schicksalhafte deutsche Frage, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen immer und immer wieder in Kriegen entlud.

Fast hätte ich geschrieben, dass wir nunmehr seit 60 Jahren keinen Krieg auf diesem Kontinent hatten, erinnere mich jedoch an die Kriege auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Andere europäische Staaten haben in den Konflikt eingegriffen; die Geschicklichkeit, mit der sie das taten, möchte ich nicht bewerten. Mein Fazit daraus ist allerdings, dass die europäischen Staaten keinen Krieg dulden. Weil ich zur Situation dessen, was im Moment in der Ukraine geschieht, keinen Überblick habe, werde ich mich einer Bewertung enthalten und zu einem späteren Zeitpunkt das Geschehen eingehender betrachten.

Es ist schon komisch, als Europäer so gar kein Gefühl für Europa entwickeln zu können. Das mag an den vielen doch recht unterschiedlichen Nationen und noch sehr viel mehr an den vielzähligen Regionen verschiedenster Couleur liegen. Für das gegenseitige Kennenlernen gibt es Austauschprogramme für Schüler und Studenten. Das halte ich für gut und wichtig. Für Menschen wie mich gibt es das nicht. Ich kann zwar in jedes europäische Land fahren, hätte da leider keine guten Anknüpfungspunkte zu den dort lebenden Menschen; das ist allerdings eher mein individuelles Problem.

Ich bekenne mich zu einem geeinten und vereinten Europa ohne Wenn und Aber. Ja, ich sehe durchaus die Nickeligkeiten und Unverständlichkeiten, die eine Verwaltung eines Komplexes wie Europa mit sich bringen und ja, es mag sogar Geld kosten. So what – wir leben in Frieden.

Mich gruseln Menschen, die sich allein aufgrund einer Kostennote lieber einigeln mögen. Hier wie auch woanders gibt es diese Menschen, die sich dazu in politischen Parteien organisieren – ihr Recht wohl gemerkt. Gegenüber diesen Menschen empfinde ich Trauer. Trauer, weil sie Angst haben. Angst davor, Großes zu bewerkstelligen, Angst davor, anderen zu helfen, weil das ein oder andere Schnitzel dann weniger gegessen werden kann.
Möglicherweise mag  Griechenland ja durch Schummelei in entsprechenden Statistiken zu dem Euro gekommen sein. Nur gut, das sonst niemals und nirgendwo geschummelt wurde; was da alles hätte passieren können …
Eines ist allerdings nachweisbar. Die deutsche Wirtschaft konnte dank Gerhard Schröders (SPD) Agenda 2010 die Lohnstückkosten unter die der Nachbarstaaten drücken mit dem Ergebnis, das die deutsche Wirtschaft die Wirtschaften der anderen europäischen Länder einfach niederknüppeln konnte. Die Reallöhne in Deutschland sind gefallen und auch ich habe mir das gefallen lassen.
Von Griechenland werden enorme Sparanstrengungen erwartet. Als es Deutschland in den Nullerjahren „schlecht“ ging, beschloss die Regierung eine sogenannte Abwrackprämie. Unter bestimmten Bedingungen konnte eins das eigene Auto der Schrottpresse überlassen und beim Kauf eines anderen Autos wurde keine Mehrwertsteuer fällig. Es wurde also mit Geld um sich geschmissen, um den Laden wieder flott zu bekommen. Die Regierung bezeichnete das als Wachstumsbeschleunigung, was auch erklecklich schnell in ein solches Gesetz gegossen wurde. Und das genaue Gegenteil wird nun von Griechenland gefordert von einem Land aus, in denen Menschen leben, die sich noch an einen Brüning aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erinnern …

Ich stehe zu Europa, ich finde Europa gut, ich finde die Idee Europa gut. Immens geholfen hat mir dabei Matthias von Hellfelds „Akte Europa“ http://www.amazon.de/AKTE-EUROPA-Geschichte-eines-Kontinents-ebook/dp/B00CLH10Q8


Den Stammtisch werde ich damit nicht erreichen. Wer jedoch einfach nur zweifelt, dem empfehle ich das Buch wärmstens. Allen anderen natürlich auch.

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