Freitag, 27. Februar 2015

Warum Podcasts toll sind

Podcast, das ist Internetradio, also Radio, das über das Internet empfangen wird. Die Angebote der öffentlich-rechtlichen Radiosender sind sicherlich bekannt. Angefangen haben viele (und einige sind auch dabei stehen geblieben) mit dem zur Verfügung stellen bereits eh gesendeter Beiträge – bereinigt von Gema-relevanten Anteilen – andere produzieren dieses Sendeformat extra.

Darüber hinaus gibt es die privaten Podcasts, von Menschen, die das neben her aus Spaß an der Freud tun. Entsprechende Audio-Technik ist für sehr viele erschwinglich geworden, so dass diese Sendungen auch technisch in sehr guter Qualität hergestellt werden. Das Angebot dieser privaten Podcasts ist mittlerweile riesig geworden; für jeden Geschmack lässt sich da etwas finden. Nicht allein die Quantität ist groß; sehr viel bemerkenswerter ist die inhaltliche Qualität. Viele dieser Podcasts stellen die der professionellen Produzenten in den Schatten.

Ein wesentlicher Aspekt privater Podcasts stellt für mich die zeitliche Freiheit dar. Jeder Teilnehmer äußert sich mit seinen Aspekten und Argumenten bis alles gesagt ist. Soll eine Gegenrede einer anderen Teilnehmerin erfolgen, gibt es auch hier kein Zeitlimit. Themen können und werden ausführlich behandelt. Das schätze ich ungemein.

Neben Erkenntnis- und Wissensgewinn sind Podcasts für mich ein wichtiger, nicht unwesentlicher Ausgleich zu meinem Joballtag. Ich höre über Kopfhörer, die Außenwelt Außenwelt sein lassend. Ich höre Gesprächen von intelligenten, witzigen und denkenden Menschen zu. Meine Lust, das in aller Konzentriertheit zu tun, ist unbeschreiblich. Und so würde ich auch gerne arbeiten. Das hätte den charmanten Vorteil, Dinge sinnvoll und richtig erledigen zu können, mich nicht in lauter Unkonzentriertheit zu verhaspeln.

Und das genaue Gegenteil ist mein Arbeitsalttag.

Nichts in Ruhe erledigen zu können, ständig bei allem unterbrochen zu werden durch Telefon und seitliches Angequatsche. Fragen von Leuten beantworten zu müssen, die mit ihrer Frage keinen Zweifel daran lassen, sich mit dem Problem nicht einmal im Ansatz gedanklich befasst zu haben und das acht bis neun Stunden. In mir entstehen dabei Gefühle wie Trauer, Wut, Ärger und Fassungslosigkeit in jeweils unterschiedlichster Ausprägung. Ich habe angefangen, diesen Gefühlscocktail unter getwärft zusammen zufassen. Im anliegenden Büro wird gekreischt. Das erzeugt körperlichen Schmerz in mir. Ginge ich dorthin, um mich zu beschweren, hörte ich sicherlich bloß: Wir lachen doch nur.


Entsprechend innerlich zerfranst und aufgewühlt erreiche ich zum Abend hin mein Zuhause, wo ich mich von meinen Podcasts wieder zusammen schustern lasse. Für alle Podcaster empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit.

Samstag, 21. Februar 2015

Sei so wie ich
               oder was ist Rassismus

Gerne höre ich Holgis Podcasts (Wrint). In einigen seiner Folgen hatte er – mehr so beiläufig – die These aufgestellt, dass wir ja alle Rassisten seien, er selbst hat sich nicht ausgeschlossen. Er zitierte ein gelesenes Buch mit Titel- und Autorangabe. Leider habe ich es versäumt, herauszufinden, welches Buch er genau ansagte (ich war mal wieder faul).

Was Ansichten und Einstellungen angeht, sehe ich bei Holgi und mir eine recht große Schnittmenge und bin schnell dabei, ihm in seinen Meinungen zuzustimmen. Nur bei der These zum Rassismus holperte es in mir. Ich bin doch kein Rassist, halte mich für aufgeschlossen und tolerant. Nee, Holgi, da irrst du dich, dachte ich mir.

Das Thema beschäftigte mich, ich dachte oft und viel darüber nach. Und das Ergebnis meiner Gedanken ist: Holgi hat recht.

Höre ich das Wort Rassismus denke ich meist, weißer Mann verachtet dunkelhäutige Menschen. Auch verachtet werden, Angehörige anderer Religionen, Ureinwohner von was auch immer. Ja nee, das tue ich doch gar nicht, fällt mir dabei immer ganz intuitiv ein. Ich begann, mich selber genauer zu beobachten.

Gehe ich durch die Stadt, morgens zur Arbeit durch den Bahnhof sehe ich sehr viele Menschen. Zu einigen kamen mir Gedanken wie, oh je, so hat eins doch nicht rumzulaufen oder du siehst aber ziemlich abgerissen und verlebt aus, bestimmt zu viel Alkohol getrunken. Und auf einmal wurde mir bewusst, dass ich ein Rassist bin. Es ist nicht so, dass ich die vorerwähnten Menschen ablehne, wenn ich darüber nachdenke. Sie sind halt so wie sie sind und gut ist. Nur ich muss erst nachdenken, es muss in mir ein kognitiver Prozess stattfinden, um meinen ersten Eindruck zu revidieren.


Wenn eins der Ansicht ist, dass nur die Menschen gut sind, die so sind wie ich meine, dass sie zu sein haben, ist eins ein Rassist. Und solange in mir ein kognitiver Prozess zur Korrektur meines ersten Eindrucks stattfinden muss, solange bin ich Rassist. Leider.

Donnerstag, 19. Februar 2015

60 Minuten

Der Wecker ist gestellt doch ich gebe ihm keine Chance, bin vorher wach. Stehe auf, als leidenschaftlicher Frühaufsteher kein Problem für mich. Schaue aus dem Fenster, kein Starkregen, kein Eis und auch kein Schnee. Raus aus dem Schlafzeug, rein in die Laufsachen. Kaffee muss sein, vorher, handgebrüht; während dessen die Diabeteskatze füttern und spritzen. Zwei Becher Kaffee und das Bewusstsein wird teilweise wach.

In die Laufschuhe schlüpfen und fest zurren, sehr fest. Ich ziehe die Tür hinter mir zu, stelle fest, dass das dickere Paar Handschuhe besser wäre, gehe aber nicht zurück. Rückschau auf dem Fahrrad, weil ich wissen will, dass auch das Rücklicht funktioniert. Viel Licht und viele Reflektoren am Rad plus eine Leuchtweste betrachte ich als zusätzliche Überlebens-Chance auf dem Rad durch die Stadt zu meiner Laufstrecke, selbst um diese frühe Zeit.

Bin da, schließe das Rad an, gehe über die Brücke, dann runter zum Kanal, richte währenddessen meine Mütze, dass sie auch vollständig die Kälte von meinen Ohren fernhält, spucke noch einmal. Und dann geht’s los, ganz locker, ganz leicht; der Rhythmus wird sich bald einstellen, ich weiß das. Es ist dunkel und auch wieder nicht. Gerade im Dunkeln sehe ich sehr gut von woher überall Licht kommt und aus welchen Quellen es scheint. Keine Schmerzen, kein Mangel an Luft, ich habe das lange geübt. Der Rhythmus stellt sich ein, eine Entenschar flüchtet Richtung Wasser, nicht wissend, dass ich ungefährlich für sie bin. Gelassenheit erreicht mich, Ärger verflüchtigt sich, die Gedanken beginnen ihr Eigenleben. Dieses Eigenleben betrachte ich gerne, nie weiß ich, wohin es sich entwickeln wird, bin gespannt.

Erreiche die Brücke über den Kanal zurück. Mir ist warm, ziehe die Handschuhe aus und halte sie nur mit den Händen fest. Meine Geschwindigkeit erhöht sich von ganz alleine, alles ist geschmeidig. Bei erhöhtem Gedanken-Eigenleben weiß ich manchmal in der Dunkelheit nicht so genau, wo ich gerade bin, trotzdem ich die Strecke auch im Schlaf laufen könnte. Bin auch schon mal an der „Ausfahrt“ vorbeigelaufen; egal, dann halt wieder zurück.

Komme an mein Rad zurück. Den Rückweg kann ich schneller fahren, weil die Muskeln warm und geschmeidig sind; fahre im Siebten von sieben Gängen. Habe das Gefühl, nichts kann mich mehr aufhalten, außer die roten Ampeln natürlich.


Zuhause angekommen sitze ich am Küchentisch mit einem Becher Kaffee. Mir geht‘s gut. Die geerntete Gelassenheit wird mir über den Tag helfen.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Hilberts Hotel


Unendlichkeit hat etwas Faszinierendes für mich. Kann es tatsächlich etwas geben, das niemals endet? Unendlich groß ist, unendlich viel ist; wie gesagt, faszinierend und ich kann es mir nicht vorstellen. Mathematiker wären wohl keine Mathematiker, würde sie nicht auch auf diesem Gebiet Differenzierungen vornehmen. Z.B. gibt es da das abzählbar Unendliche …

Dazu gibt es ein sehr schönes und wie ich finde recht anschauliches Parodoxon des Mathematikers David Hilbert:
Ein ermüdeter Wanderer kommt in ein Hotel auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Der erst vor kurzem neu eingestellte Portier an der Rezeption teilt ihm mit, dass bedauerlicherweise alle Zimmer ausgebucht seien. Das hört der Hotelmanager im Nebenraum und spurtet herbei, um den Portier zu berichtigen. „Aber, aber lieber Portier, unser Hotel hat doch unendlich viele Zimmer; selbstverständlich können wir hier unserem Wanderer ein Zimmer anbieten.“ „Ähm, wie das denn?“ interessierte sich der leicht verwirrte Portier.
„Nun, der Gast aus Zimmer 1 zieht in Zimmer 2, der Gast aus Zimmer 2 nach Zimmer 3, der aus 3 in die 4 usw. bis alle wieder ein Zimmer haben. Unser Wanderer bekommt dann Zimmer 1.“

Als ich das Paradoxon zum ersten Mal las, fand ich es irgendwie einleuchten, wenn auch nicht so ganz befriedigend. Mich störte, dass alle Gäste umziehen mussten. Warum gab man dem neuen Gast nicht einfach das letzte freie Zimmer? Wüsste man doch jetzt nur noch die Nummer des letzten freien Zimmers.

Ich für mich habe dazu ein Erklärung gefunden: Welches ist denn nun das letzte Zimmer, schließlich haben wir es doch mit unendlich vielen Zimmer zu tun, wenn auch abzählbar. Die Anzahl unserer unendlich abzählbaren Zimmer sei n. Welche Zimmernummer soll das denn nun sein? Der Gast auf n zieht nach n+1, der Gast auf n-1 zieht nach n, der auf n-2 auf n-1, bis alle umgezogen sind und schlussendlich Zimmer 1 frei geworden ist, in das unser Wanderer nun einziehen kann. Mit dieser Methode kann das Hotel nun aber auch ganze Busladungen voll von neuen Gästen unterbringen.

Interessant und irgendwie doch auch verrückt.


Dienstag, 17. Februar 2015

Nur ein Traum

Fahre mit dem Fahrrad eine Straße durch eine Wohngegend entlang; da steht eine Frau mit ihren Kindern (2 Mädchen) und will Maut fürs Vorbeifahren kassieren; das wollte ich nicht; gehe in ein unordentliches Haus, um jemanden zu fragen, wie ich die Maut umgehen könne; treffe auf einen Mann, der haut mich an, fragt mich, ob ich denn nicht eine Gangschaltung am Fahrrad hätte, dann könnte ich ja einfach da schnell vorbei und weg fahren; stellt sich heraus, der Mann ist mein Vater; er teilt mir noch mit, dass er wohl schlechte Pilze gegessen habe. Ende.

Samstag, 14. Februar 2015

Elly Kaltbach
 Susann Blum


Wer ist Elly?

Ich durfte einen spannenden, traurigen und hoffnungsfrohen Roman lesen. Diesen Roman zu lesen hat mir viel Spaß bereitet. Er ist flott geschrieben, achtet und respektiert alle Leser mit einem ungemein angenehmen Schreibstil, der so flüssig daherkommt, das eins das Gefühl hat, nicht das Buch zu lesen, sondern vielmehr, dass das Buch in einen hineinfließt.

Drei Jugendliche und ein Kind fliehen aus einer gewalttätigen und unterdrückenden Welt (repräsentiert durch das Ehepaar Bling) um in Freiheit und Selbstbestimmung das eigene Leben gestalten zu können. Sie wissen nicht, was konkret das zu bedeuten hat und wie das zu erreichen ist und sie tun es. Davon erzählt die Geschichte.

Über den Anfang des Buches hinaus zu kommen fiel mir schwer. Das Dasein von Elly, Lenny und Freya bei den Blings empfand ich als schrecklich. Genau zu wissen, nichts anderem als Demütigung und Gewalt ausgesetzt zu sein, keinerlei Möglichkeit der Gegenwehr: In mir erzeugte das ein so negatives Gefühl, zu dessen Beschreibung mir die Adjektive fehlen.

Die Flucht gelang.  Die sehr kurze Zeit der Vorbereitung haben Lenny und Freya gut genutzt. Die Vorbereitungen ergaben einen ausreichend großen Vorsprung vor den Verfolgern. Die ersten Schritte in der und in die Freiheit sind verbunden mit enorm viel Mühsal und Entbehrungen und Rückschlägen. Das Schicksal hat kein Problem damit, Menschen feixend ins Gesicht zu grinsen.

Im Laufe des Lesens passierte es mir einige Male, Metaphern aufspüren zu wollen. So recht gelang es mir nicht und mein Beschluss, das erst einmal beiseite zu schieben und mich einfach nur dem Lesevergnügen hinzugeben, empfand ich als eine gute Entscheidung. Jetzt schreibe ich zu dem Buch mit dem Wissen, es doch noch nicht wirklich durchdrungen zu haben.

Lenny ist der in sich gekehrte Denker. Er vermag es, sich selber Wissen anzueignen und es auch anwenden zu können. Demütigungen, Gewalt und Folter deformierten sein emotionales Selbst, worüber er sich auch selbst im Klaren ist. Seine Gedankenwelt und sein Inneres sind stärker als das alles. Er denkt, findet Lösungen und handelt. Lenny ist ein starker Mensch. Seine Stärke (mir ist nicht klar geworden, ob er sich selber seiner Stärke bewusst ist) führen bei ihm zu keinem Hype. Er bleibt mit den Füßen auf dem Boden, sieht und ergreift das Notwendige. Und er ist in der Lage zu lieben, auf seine Weise.

Freya. Freya funktioniert in diesem Roman nicht ohne Loris, unabhängig davon, dass sich im Nachhinein herausstellt, dass sie Geschwister sind. Sie ist strukturiert, arbeitet viel und ich möchte meinen, auch gerne. Sie ist äußerst pflichtbewusst, hat sie doch die Aufgabe, sich um das Wohlergehen eines Kindes zu kümmern. Aufgaben dieser Art, werden sie ernst genommen, führen oft dazu, die eigenen Bedürfnisse hinten an zu stellen. Ihre praktische Veranlagung führt zu einer verbesserten Lage der Gruppe insgesamt. Ohne Loris fände ich die Darstellung und Motivation der Figur Freya recht schwierig. Und damit ist für mich auch Loris Rolle beschrieben.

Pietro ist eine Frohnatur. Diese Menschen möchten wir um uns haben. Sie hören zu, sie fordern nichts und wenn sie etwas nicht in Worte fassen können oder wollen, nehmen sie dich einfach in den Arm. Pietro ist der Balsam in dieser Gruppe.

Die Blings: Böse, zynisch, gewalttätig, das Leben nicht leben könnend. Was ich bereits eingangs beschrieb: Menschen dieser Art gruseln mich. Ich hatte mir die Frage gestellt, ob das wohl immer so schlimme Menschen waren. Zu dem Bling fiel mir nichts ein. Aber die Bling: Mit Vornamen heißt sie Eleonore und mit Eleonore verbinde ich ganz subjektiv schöne Menschen. Der Vorname wurde genannt im Zusammenhang mit dem Kümmern um die Kinder nach der Felsenprengung. Sie kümmerte sich liebevoll um die geretteten Kinder Elly und Lenny. Meine Antwort, was das Umschwenken auf Niedertracht angeht ist, dass sie dem Druck der sich aus Verstecken, Gier und Entdeckt werden ergibt, nicht stand halten konnte und über keine entsprechende Handlungskompetenz verfügte, um zu einer für alle angenehmen Lösung zu kommen.

Zwei Szenen in diesem Buch haben es mir besonders angetan.
Elly und Lenny erfahren, dass sie keine Geschwister sind und ihre Zuneigung zueinander führte zur körperlichen Liebe. Die Beschreibung dieses Ereignisses empfand ich als überaus einfühlsam, schön und auch erregend. Die Authentizität kann ich nicht beurteilen, da es von Elly beschrieben wurde. Für mich las es sich allerdings sehr authentisch. Offenbar gelingt es auch nur Romanen, sexuelle Verbalisierungen akzeptabel erscheinen zu lassen.

Elly geht auf den potenziellen Erpresser zu und legt alles offen, was sie zuvor niemals einem Menschen gegenüber getan hat. Sie rettet Lenny. An diesem Ereignis beeindruckt mich die Ehrlichkeit. Damit kann ich mich absolut identifizieren. So übel Dinge im Leben sein können, so sehr ist es meine Überzeugung und Erfahrung, dass allein Ehrlichkeit – mit allen Konsequenzen – Freiheit bedeutet.

Wer ist Elly denn nun?
Elly ist die Hauptfigur in diesem Roman. Sie ist auf das Leben emotional positiv eingestimmt. Nach ihrer Flucht aus Demütigung und Gewalt ist sie neugierig auf das Leben, auf das, was sie umgibt, was sie fühlt, was sie meint zu sehen. Sie ist ein Gefühlsmensch. Sie hat Visionen, auf die ich nicht eingegangen bin, weil das etwas ist, das sich mir so gar nicht erschließt.

Elly ist das Leben. Unsere Sozialisation legt auch uns Fesseln an. Allein schon, weil es nicht möglich ist innerhalb einer Erziehung alle Aspekte des Lebens zu berücksichtigen. Wenn wir so weit sind, alleine unser Leben zu gestalten, eigene und selbstgewählte Schritte zu tun – in die Freiheit und möglicherweise in Abhängigkeiten – werden auch wir lernen müssen, dass niemand auf uns gewartet hat, dass es Rückschläge gibt.  Wirklich sicher sind wir nur in uns selber und bei Menschen, von denen wir wissen, dass sie uns wohl gesonnen sind. Menschen dieser Art zu finden halte ich für eine Lebensaufgabe.



Das Buch bietet noch so viel mehr Aspekte, über die ich noch nachdenken muss. Ich denke nicht, dass es einer Fortsetzung bedarf. Alles, was gesagt werden musste, wurde geschrieben. Jetzt ist Nachdenken angesagt.

Wenn morgens noch alles klar ist


Ich liebe meine Laufstrecke, vor allem im Sommer:


Eier-Kocher …
               … und wie eins mit ihnen Eier wie gewünscht kocht.

Ihr kennt diese Geräte!? Ich habe jetzt auch so eines.
Bislang hatte ich old-school-mäßig Wasser in einem Topf zum Kochen gebracht und darin dann die Eier 5 bis 6 Minuten gekocht. Sie waren dann genau so wie ich (und viele andere sicherlich auch) sie gerne haben: Das Weiße fest, das Gelbe noch flüssig.

Es kam der Tag, an dem meine Partnerin zu mir sagte, dass diese Zubereitungsart doch sehr viel Energie verbrauchen würde; ein Eier-Kocher wäre da doch bestimmt günstiger.
Das war genau das, was ich überhaupt gar nicht hören wollte; ich müsste einen Teil meines Morgenrituals verändern, eine Gewohnheit ändern; mir sträubten sich die Nackenhaare. Ich wollte das nicht.

So wenig wie ich meine Gewohnheiten verändern oder gar aufgeben mag, so sehr mag ich mich gedanklich damit befassen. Das Argument meiner Partnerin bezüglich Energieverbrauch erschloss sich mir durchaus und nun ja, eines Tages hatte ich einen Eier-Kocher gekauft.

Bedienungsanleitungen lesen mag ich nicht und bei vielen Sachen halte ich das auch für überflüssig, wenn sich die Geräte, wie z.B. eine Funkuhr, ein Kopfhörer, ein Keyboardständer oder eine Mikrowelle intuitiv bedienen lassen. Nicht so ein Eier-Kocher.

Meiner bietet Platz für sechs Eier. Je nach Anzahl der Eier und gewünschter Konsistenz (weich, mittel, hart) muss entsprechend viel Wasser in das Gerät gegeben werden. „Viel“ Wasser ist es nicht im Vergleich zum Kochen in einem Topf und dementsprechend dauert es nicht lange, bis das Wasser kocht und zu Dampf wird, der die Eier umhüllt und mit der entsprechenden Temperatur den Garvorgang vorantreibt. Hier liegt der Energiespareffekt zum Topfkochen.

Weil ich nun gar nichts wusste, hielt ich mich an das, was die Anleitung zu berichten hatte. Das Ergebnis waren Eier, die für meinen Geschmack zu hart gekocht waren. Danach wusste ich, ich muss experimentieren, was ich natürlich auch tat.

Heute sind die Eier genau so, wie ich sie haben will. Ich gebe deutlich mehr Wasser in den Kocher als es nach Anleitung sein sollte und verlasse mich nicht auf das Piepen des Gerätes (Wasser ist verdampft, also sind Eier gut), und benutze einen Zeitmesser (Eieruhr). Bei meinem Kocher und für meinen Geschmack sind das sieben Minuten. So, und jetzt passt es auch.

Auch auf die Gefahr hin, dass Physiker mich schlagen werden, stelle ich folgende Überlegungen an:

Es ist nicht das Wasser, das Eier gart, sondern die Dauer einer bestimmten Temperatur, die durch kochendes Wasser oder Wasserdampf erzeugt wird. Die Hersteller von Eier-Kochern dachten sich offenbar, dass es bequem sei, dass das Gerät einem mitteilt, wenn das gewünschte Ergebnis erreicht ist: Piepen, wenn kein Wasser mehr vorhanden ist. So wie es in der Anleitung beschrieben ist, wird im Laufe des Gar-Vorgangs dass Wasser immer weniger, entsprechend weniger Wasserdampf kann erzeugt werden. Zum Ende hin gibt es also nicht genug Temperatur für den Gar-Vorgang, weil zu wenig Wasserdampf vorhanden ist. Mit meiner Methode (reichlich, also genug Wasser zu verwenden) sind die Eier die ganze erforderliche Zeit mit ausreichender Temperatur versorgt.  Die Temperatur ist da und die Zeit lasse ich mir durch einen externen Zeitmesser anzeigen. Voilà.



Gestatten: Polymoron





















Das Rosie-Projekt
Graeme Simsion


Die Geschichte erzählt von Andersartigkeit, von authentisch sein. Für dich ist das ein zentrales Thema des Buches. Mir ist das gar nicht so ins Auge gefallen und ja, auch so lässt sich das Buch betrachten. Eine schöne Perspektive, die du mir da eröffnest. Meiner Einschätzung nach beantwortest du damit auch eine Frage an mich: Warum ist das Buch so erfolgreich? Genau deshalb. Menschen wollen authentisch sein; sie wollen von ihrer Umwelt angenommen sein, so wie sie sind. Ein erster Schritt –wie ich finde – ist, dass wir selber in die Lage versetzt werden, uns so akzeptieren zu können, wie wir sind. Und genau das ist ein Punkt, der so einfach gar nicht ist. Von außen trommeln so unendlich viele „Du sollst …“ auf uns ein, dass es schon einer sehr starken Persönlichkeit bedarf, um sich dem widersetzen zu können oder der Leidensdruck ist so hoch, das wir uns dem permanenten Sollen in der ein oder anderen Weise entziehen oder wir scheitern, indem wir uns so modellieren, dass wir an das Außen erwartungsgemäß andocken.

Es dauerte ein paar Jahrzehnte bis ich mich selber gut fand. Ich bin wie ich bin und das ist ok so.

Mit dem Ende dieser Entwicklung wurde es mir mehr und mehr gleichgültig, wie ich bei meinen Mitmenschen ankomme und heute muss ich einfach, ganz sachlich und wertfrei feststellen, dass mir das auch völlig egal ist. Es ist nicht so, dass mir Menschen egal sind, ihre eventuellen Meinungen und Ansichten zu mir sind mir egal. Oft gehe ich ja davon aus, dass Menschen, denen ich begegne und die mir begegnen gar nicht erst Ansichten und Meinungen bilden, die nicht schon mit einer einzigen Frage alles in sich zusammenbrechen lassen.

Don ist heute für mich ein Held wie es damals Winnetou und Old Shatterhand für mich waren. Er rettet nicht, wie die beiden, die Welt von den Schurken, er setzt kognitiv seine Gewohnheiten außer Kraft.


Ja, Gewohnheit, diese janusköpfige Gestalt, die Sicherheit gibt und Freiheit raubt. Um sie zu brechen, bedarf es immer einer kognitiven Leistung. Aber ich will sie ja nicht immer durchbrechen und gelegentlich ödet sie mich an und manchmal liebe ich sie.