Donnerstag, 26. November 2015

Zurück auf Anfang

Computer sind heute allgegenwärtig und für die meisten von uns sehr selbstverständlich. Dass das nicht immer so war, ist ziemlich klar. Irgendwann musste so etwas ja auch mal erfunden und entwickelt werden. Und wie und warum Computer funktionieren ist für viele Nutzer und Anwender eher unbekannt.

In seinem Buch „Turings Kathedrale“ erzählt George Dyson recht anschaulich die Entwicklung des ENIAC und der daran beteiligten Menschen, unter Federführung des genialen John von Neumann. Diese Geschichte findet statt am Institute for Advanced Study in Princeton [1] in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts.
Es ging ganz allgemein darum, Berechnungen von Zahlen, Gleichungssystemen und Polynomen automatisch durchführen zu können. Die wissenschaftliche Forschung hatte immens viel zu berechnen und die leidige Rechenarbeit stahl jedem Wissenschaftler wertvolle Zeit für das eigentliche Tun.
Leider waren es auch hier wieder einmal militärische Interessen, die den Fortgang des Geschehens mit den Mitteln betreiben konnte,  die offenbar nur aggressiven Vorhaben zur Verfügung stehen. Es ging um nichts weniger als um die Entwicklung der Wasserstoffbombe. Jeder, der für seine eigene Forschung Rechenzeit beanspruchen wollte, musste sich diese immer wieder erstreiten.
Mit seinen Kathodenstrahlröhren als Arbeitsspeicher sah der ENIAC eher nach einem Motor als nach einem Computer aus; jedoch er funktionierte und tat beschwerdelos das, was von ihm erwartet wurde.

Der erste „richtige“ Computer war der ENIAC allerdings nicht. Während des 2. Weltkriegs sah sich Großbritannien der Aufgabe gegenüber gestellt, den Code der Chiffrier-Maschine Enigma der deutschen Wehrmacht zu entschlüsseln. Das geschah recht erfolgreich in Bletchley Park [2] mit einer vierstelligen Anzahl von Beteiligten. Der wohl bekannteste und herausragendste von ihnen war der Mathematiker Alan Turing. Da die britischen Regierungen noch bis 1973 dieses Projekt unter strenger Geheimhaltung legten, wusste bis dato von den dort entwickelten und erfolgreich verwendeten Computern niemand irgendetwas. Für mich mutet das tragisch an: Menschen, die großartige Leistungen erbringen und aus Staatsräson nicht davon berichten dürfen.

Und nun zurück zur Eingangs aufgestellten Bemerkung, dass kaum jemand versteht, wie Computer prinzipiell überhaupt funktionieren können.
Als ich „Turings Kathedrale“ las, kam in mir die Erinnerung an den WDR-Papiercomputer oder auch Know-How Computer [3] auf, der zu Beginn der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts von Wolfgang Back und Ulrich Rohde konzipiert wurde. Mit einem Stift, einem Blatt Papier, Streichhölzern und 5 Befehlen lassen sich die grundlegenden Vorgänge in einem Computer / elektronische Schaltung nachbilden.




Im Rahmen meines „Studiums“ sah ich es als Herausforderung an, diesen „Computer“ in Software abzubilden. In C# habe ich dazu ein Programm geschrieben, das von Interessierten auch gerne verwendet werden darf [3]. Wer keine Angst hat, eine exe-Datei herunter zu laden, kann mit dem 8 Bit Rechner, wie ich ihn nenne, selber eigene Programme schreiben.
Prinzipiell lassen sich damit alle Berechnungen durchführen. Die Addition von 2 Zahlen könnte z.B. so aussehen (wenn die zu addierenden Zahlen in den Registern 1 und 2 stehen und das Ergebnis in Register 0 angezeigt werden soll):

0 n1
1 g3
2 g6
3 d1
4 i0
5 g0
6 n2
7 g9
8 e 00
9 d2
10 i0
11 g6

Im Programm selber gibt es eine Anleitung.

Eine elektronische Umsetzung dazu ist „relativ einfach“. Mit einer Handvoll Transistoren und ICs (integrierte Schaltkreise) ist die boolesche Algebra recht gut in den Griff zu bekommen, wie ja auch Millionen von mittlerweile alltäglichen Geräten (neben dem Computer) uns immer wieder vor Augen führen.

Das vorerwähnte Additionsprogramm ließe sich auch zu einem einzigen Befehl wie z.B. „add“ zusammenfassen und das ist es, was unsere heutigen Computer ausmachen. Ganz grundlegende Aufgaben werden in höhere Einheiten zusammengefasst und diese wiederum in übergeordnete Einheiten und so fort.

Bin ich nun wirklich auf Anfang? Eher nein. Grundsätzliche Überlegungen zu automatisierten Berechnungen gibt es bereits seit Jahrhunderten. Erwähnen möchte ich hier nur beispielhaft Charles Babagge oder den unvergleichlichen Gottfried Wilhelm Leibniz.








Sonntag, 1. November 2015

Was bedeutet Wissenschaft für mich?

Abstract:
In diesem Artikel erkläre ich, warum und inwiefern Wissenschaft für mich relevant ist, warum ich Wissenschaft toll finde und füge ein Beispiel an.

1       Beschreibung der Begriffe
1.1   Wissenschaft
1.2   Bedeutung

2       Wie kam es zu Wissenschaft?
2.1   Fragen
2.2   Interaktion
2.3   Ergebnisse
2.4   Forschung

3       Wissenschaft mit einem handelsüblichen Eierkocher
3.1   Warum ein Eierkocher?
3.2   Der Eierkocher
3.3   Experiment
3.3.1  Theoretische Überlegungen
3.3.2  Die Praxis



1 Beschreibung der Begriffe

1.1   Wissenschaft

Ein wirklich präziser Begriff ist Wissenschaft aus meiner Beobachtung nach nicht wirklich. Ich meine festgestellt zu haben, dass, wenn von Wissenschaft die Rede ist, landläufig der Wissenschaftsbetrieb gemeint ist. Da sind irgendwo irgendwelche Leute, die völlig abgehoben Dinge erforschen, von denen kaum jemand etwas versteht, der nicht zu diesem Personenkreis gehört. Ja, das zählt für mich zu Wissenschaft: Menschen, die an Hochschulen Dinge erforschen und entwickeln genauso wie das auch in vielen Unternehmen stattfindet. Ich werfe dazu nur einmal Begriffe wie Produktinnovation und –entwicklung in den Raum.
Wissenschaft ist allerdings auch eine Methode, eine Vorgehensweise. Ich habe eine Frage, will etwas wissen. Wie mache ich das? Ok, Antworten zu vielen Fragen besorge ich mir über Suchmaschinen im Internet. Meistens reicht das auch aus. Allerdings: Wie kann ich wissen, dass die gefundenen Antworten auch richtig sind? Und diese Frage ist Teil der Methode, der wissenschaftlichen Methode. Das, was ich meine jetzt zu wissen, sollte / muss ich hinterfragen, wenn ich gesicherte Ergebnisse und Antworten haben will. Am Beispiel der Frage an eine Suchmaschine werde ich also mehrere Ergebnisse betrachten und versuchen herauszufinden, aus welchen Quellen diese Ergebnisse stammen. Auch werde ich diese Ergebnisse interpretieren müssen und wenn ich auf der sicheren Seite sein will, sollte ich die Möglichkeit der Vorhersage und Prüfung der Vorhersage haben. Qualitativ bedeutet es keinen Unterschied, ob meine Vorhersage richtig oder falsch ist. Ist sie richtig, habe ich natürlich ein gutes Gefühl und wenn sie falsch ist, habe ich auf jeden Fall einen weiteren Erkenntnisgewinn.


1.2   Bedeutung

Auch wenn ich beruflich nicht wissenschaftlich tätig bin, verfolge ich gerne die wissenschaftliche Methode. Dinge müssen erledigt werden und mit der Zeit entsteht Routine und ich weiß, wie das zu erledigen ist. Es passiert allerdings auch, dass ich etwas Neues tun muss oder Fragen von Menschen beantworten muss, die außerhalb der Routine liegen. So etwas gehe ich dann gerne sehr strukturiert an, indem ich mich selber frage, was ist jetzt sinnvoll oder wie ist etwas am besten umsetzbar. Ich kann recht schnell prüfen, ob die Ergebnisse das sind, was sie sein sollen und wenn nicht, dann halt Korrekturen vornehmen und erneut prüfen.

2       Wie kam es zu Wissenschaft

Mit dem Denken, das unsere Gehirne irgendwann einmal ermöglichten, fing meines Erachtens auch bereits Wissenschaft an.

2.1   Fragen

Fragen sind die Grundlage von Wissenschaft. Nur wenn ich etwas wissen will, kann ich meinen Erkenntnisgewinn bewusst steuern. Fragen, bzw. Problemstellungen sind immer dann vorhanden, wenn es sich um Leben handelt. Was kann ich essen, um nicht zu verhungern? Wie schütze ich mich vor Kälte? Warum gibt es in der Nacht Lichtpunkte am Himmel und am Tag nicht? Wie bediene ich ein Smartphone?

2.2   Interaktion

Um Antworten auf all meine Fragen zu erhalten bleibt mir nichts anderes übrig, als auszuprobieren. Wenn ich meine zu wissen, wie etwas funktioniert, muss ich das in meiner Umwelt testen und die Rückmeldung zeigt mir, wo ich stehe. Habe ich es richtig gemacht oder gibt es da etwas zu verbessern?

2.3   Ergebnisse

Ergebnisse aus der Wissenschaft sind Erkenntnisse. Sie sollten allen Menschen zugänglich sein aus meiner Ansicht nach aus drei sehr wichtigen Gründen: Ergebnisse sollen auch angewendet werden zum Nutzen vieler Menschen. Ergebnisse sollen überprüft werden, was durch Anwendung sicherlich am besten geschehen kann und Ergebnisse sollen falsifiziert werden, wenn die Anwendung nicht wie vorhergesagt funktioniert.

2.4   Forschung

Gemeinhin verstehen wir unter Forschung die Institutionalisierung der Wissenschaft. An Hochschulen wird strukturiert neues Wissen geschaffen. Das kann einfach so geschehen, quasi ins Blaue hinein; das ist dann die Grundlagenforschung. Niemand weiß und gibt vor, was herauskommen soll. Anders die Anwendungsforschung. Es gibt bestimmte Ziele, die erreicht werden sollen / müssen. Ich persönlich halte beide Richtungen für legitim.
Forschung allerdings ist kein Alleinstellungsmerkmal von z.B. Hochschulen. Forschen kann im Prinzip jeder, der mag, Lust und Spaß daran hat.

3       Wissenschaft mit einem handelsüblichen Eierkocher
3.1   Warum ein Eierkocher?

Ich frühstücke morgens gerne ein weich gekochtes Ei. Bislang habe ich dazu eine Topf mit Wasser (ca. 0,5 Liter) benutzt, das Wasser zum Kochen gebracht und dann das Ei ca. 6 Minuten gekocht.
Bis das Wasser kochte, also ca. 100 Grad Celsius hatte, dauerte es ungefähr 8 bis 9 Minuten.
Irgendwann kam mir der Gedanke, dass das doch ein ziemlich hoher Energieverbrauch sei und mit einem speziellen Gerät dafür (Eierkocher) sich der Energieverbrauch doch verringern ließe.

3.2   Der Eierkocher

Ich begann mich also, für einen Eierkocher zu interessieren und hörte mich so um. Zusammenfassend waren die Informationen Anderer die, dass so ein Gerät nicht wirklich gut funktioniert, die Eier also nie so sind, wie man sie haben will. Ich nahm das erst einmal so zur Kenntnis und kaufte mir so ein Gerät.
Das Prinzip ist, dass eine bestimmte Menge Wasser (sehr wenig, ca. 50 ml) mittels Strom, der durch Metall fließt  zum Erhitzen gebracht wird, so dass recht schnell Wasserdampf (ca. 100 Grad Celsius) entsteht, der das Garen in einem mehr oder weniger kleinen Raum bewirkt. Wenn das Wasser verbraucht ist, also mittels Wasserdampf aus dem Gerät verströmte, gibt es einen Signalton, der anzeigen soll, dass der Garprozess beendet ist.

3.3   Experiment

Den meisten Geräten liegen ja Bedienungsanleitungen bei. Und da ich noch gar nichts wusste, richtete ich mich nach dieser Anleitung mit dem Ergebnis, dass mir das Ei zu hart gekocht war.

3.3.1 Theoretische Überlegungen

Wäre ich nun ein echter Wissenschaftler hätte ich bereits vorliegende Informationen genutzt.
Die Größe eines Eis ist bekannt. Das durch Wärmeeinwirkung ein Garprozess stattfindet, ebenfalls. Es gibt bestimmt eine Funktion, die beschreibt, wie lange ein gegebenes Ei einem Wärmeprozess von ca. 100 Grad Celsius ausgesetzt sein muss, damit es die für mich gewünschte Konsistenz erlangt.
Nun bin ich aber kein Wissenschaftler und wähle die Methode des „Herumprobierens“.

3.3.2 Die Praxis

Ich habe also herumprobiert:
Es ist nicht das Wasser, das Eier gart, sondern die Dauer einer bestimmten Temperatur, die durch kochendes Wasser oder Wasserdampf erzeugt wird. Die Hersteller von Eier-Kochern dachten sich offenbar, dass es bequem sei, dass das Gerät einem mitteilt, wenn das gewünschte Ergebnis erreicht ist: Signalton, wenn kein Wasser mehr vorhanden ist. So wie es in der Anleitung beschrieben ist, wird im Laufe des Gar-Vorgangs dass Wasser immer weniger, entsprechend weniger Wasserdampf kann erzeugt werden. Zum Ende hin gibt es also nicht genug Temperatur für den Gar-Vorgang, weil zu wenig Wasserdampf vorhanden ist. Mit meiner Methode (reichlich, also genug Wasser zu verwenden) sind die Eier die ganze erforderliche Zeit mit ausreichender Temperatur versorgt.  Die Temperatur ist da und die Zeit lasse ich mir durch einen externen Zeitmesser anzeigen.







              











Freitag, 23. Oktober 2015

Immer dieses Gezerre – Lass das!

Zuweilen ertappe ich mich doch glatt, auf meinen Geist stolz zu sein. Auf den eigenen Geist stolz sein … das lasse ich mir auf der Zunge zergehen und zerschelle dann auf ganz vielen Ebenen.

Was ist Geist überhaupt?
Gedanken, Vorstellungen, Erfahrungen, Meinungen, Wissen, Grübeln, Denken, Interpretationen, Unbewußtsein.
Ich schließe nicht aus, dass es da auch noch weit mehr geben mag.

Und wieso „mein“ Geist?
Bei dieser Frage wird es schwierig. Mit „mein Geist“ gehe ich ja davon aus, dass ich im Besitz von etwas bin. Kann das auf Geist zutreffen? Sehr sicher bin ich mir, dass ich mein Notizbuch und meinen Bleistift besitze, ich nutze diese Gegenstände jedenfalls dafür, wofür sie irgendwie geschaffen wurden. Bei Möbeln, einem Auto oder einem Computer sehe ich das ähnlich.
Aber wenn ich sage, mein Geist, bedeutet das ja, dass er zu mir gehört. Und da habe ich große Zweifel. Ich bezweifele, dass Geist und das eigenen Sein (Ich) mit Besitzverhältnissen erklärt werden kann auch wenn es den Anschein hat, dass beides unumwoben miteinander verknüpft ist. Ist es nicht!

Sehr gut kann ich einfach nur so dasitzen und nichts tun. Dass dabei nichts in meinem Kopf umhergeht ist sehr selten. Und das ist die Herausforderung: Einfach nur so dasitzen, nichts tun und auch überhaupt gar nichts denken, also den Geist auch nur so zum Rumsitzen animieren. Meiner ist dabei (wie bei vielen anderen Menschen wohl auch) ein Rebell. Um Inhalte geht es dabei gar nicht, Hauptsache irgendeine Aktivität findet statt. Eindrücke interpretieren, Meinungen entfalten, Sorgen machen, gute Ideen schlecht finden, Nörgeln, an was auch immer, beschweren und beklagen …

„Mein“ Geist zerrt mich durch die Gegend. Durch Gegenden, durch die ich gar nicht wirklich will.

Ich will das nicht.

Was kann ich dagegen tun? Austrocknen? Keine schlechte Idee. Vor geraumer Zeit habe ich beschlossen, mich der aktuellen Nachrichtenlage zu entziehen. Fernsehen schaue ich schon lange nicht mehr, Zeitungen werden von mir ignoriert. Das „Weltgeschehen“ geht quasi an mir vorüber. Falsch! Das Weltgeschehen und die Auswirkungen werden auch bei mir ankommen, nur das, was andere meinen, dass ich darüber wissen müsste und vor allem, was nicht, geht an mir vorüber.
Der Eindruck, ich sei desinteressiert kann entstehen. Bin ich aber nicht. Wenn ich auf Menschen treffe, wo auch immer, die mir aus erster Hand und für mich authentisch über etwas berichten können, bin ich ganz Ohr (kommt nicht so oft vor).

Das Weltgeschehen, das ich durch Nichtbeachtung ausblende ist das eine, meine eigene Welt zu betrachten wie sie ist, ist das andere. Ich bin nicht gezwungen, zu nörgeln, mich zu beklagen und alles ganz schlimm zu finden (obgleich so vieles sehr schlimm ist). Nur wie sage ich das meinem Geist? Ihn ständig zu hauen, weil er so blödes Zeugs macht? Ich las mal den Satz, der Geist ruht während der Meditation. Das ist ein neuer Aspekt und ein neuer Ansatz für mich.

Bin auf jeden Fall bestrebt und bemüht, dieses Gezerre auf ein Minimum zu reduzieren.



Samstag, 17. Oktober 2015

Jeder ist austauschbar

In unserem Unternehmen gibt es einen Abteilungsleiter, der es sich nicht nehmen lässt, in Teamrunden und auch Einzelgesprächen seinen Mitarbeitern zu verstehen zu geben, dass für sie (die Mitarbeiter) auch irgendjemand anders an ihrer Stelle arbeiten könnte.
Einigen Kollegen und vor allem Kolleginnen geht das an die Nieren. Offenbar fühlen sie das, was möglicherweise auch gemeint ist: Keine oder geringe Wertschätzung der eigenen Person und der geleisteten Arbeit.

Das wollen wir nicht, das will niemand. Wir treten an und erwarten Achtung, Respekt und Wertschätzung von den uns umgebenden Menschen. Diesen Anspruch dürfen wir auch einfordern, allerdings haben wir keinen Anspruch, dass er auch erfüllt wird.

Wie gehe ich jetzt mit so einem Menschen um, der mein Chef ist und der damit gewissermaßen über einen Teil von mir selbst verfügen darf, dem es sogar von mir gestattet wird, mich zu erniedrigen?

Mir persönlich würde hier die Analyse helfen.
Hier wurde mal wieder ein schwacher und ängstlicher Mensch nach „oben gespült“, der es verstanden hat, mit unserem System der Hierarchien Status für sich zu schaffen. Es obliegt nun an uns, diesem Mensch Macht über uns zu verleihen, indem wir z.B. Angst vor ihm haben. Ok, er könnte uns unseren Arbeitsplatz wegnehmen und das ist zumeist sehr übel. Im Angesicht dieses Übels (hier haben wir die Möglichkeit, zu bewerten, wie übel dieses Übel tatsächlich ist) ist es durchaus nicht falsch, sich über unsere eigene Freiheit bewusst zu werden. Und wir wissen alle, dass Freiheit mit Verzicht einhergeht: Entscheide ich mich für das eine, muss ich das andere lassen.

Von diesem Menschen werde ich offenbar nicht den Respekt erhalten, den ich erwarte. Das kann ich zur Kenntnis nehmen und entsprechend ablegen oder mich daran aufreiben. Welchen Vorteil könnte ich bekommen, wenn ich mich daran aufreibe? Keinen, ich käme nicht einen Schritt weiter.

Dieser Mensch hat Familie und Kinder. Gesetzt den Fall eines seiner Kinder würde aus welchen Gründen auch immer gestorben sein, wäre meine Anmerkung, jeder Mensch sei ersetzbar weder menschenwürdig noch zielführend; mit dieser Anmerkung begäbe ich mich in sein gedankliches Biotop, dass ich ja für mich selber nicht will.

Was ist denn nun die oder überhaupt eine Lösung?
Ich sehe den Abteilungsleiter als jemanden, der mich etwas lehrt:
Ich bleibe und leide.
Ich bleibe und lerne.
Ich gehe.

Mein Abteilungsleiter ist das nicht und niemand ist austauschbar.





Samstag, 10. Oktober 2015

Die Vergangenheit ruft an

Das Telefon klingelt.
„Hallo, hier ist der Horst.“
Stimmen kann ich mir gut merken, besser als vieles andere und ich wusste in der ersten Sekunde, das ist der Horst von damals. Ich hatte recht, das war er.
„Hallo Volker, da hab‘ ich dich doch noch gefunden. Wir wollen uns mal wieder treffen … “

Vor 33 Jahren wurden wir mit der Mittleren Reife in der Hand aus der Schule entlassen. Ein Teil des Lebensweges war abgeschlossen. Und abgeschlossen war leider auch die Verbindung zu Menschen, mit denen ich Tag für Tag im gleichen Raum saß und tolle und weniger tolle Themen lernte.

Der Teilnahme sagte ich spontan zu und im Anschluss wunderte ich mich über meine Spontanität sehr, weil sehr ungewöhnlich. Nun ja, das Treffen sollte ja erst in ein paar Monaten stattfinden.

Ich hatte einen Weg von 300 km und eine Übernachtung zu planen. Kleinigkeiten für die meisten Menschen, für mich jedoch schon eine kleine Herausforderung. Mir gelang die Herausforderung.

Die Lokalität befand sich mitten in dem Ort, in dem auch unsere Schule stand. Horst hatte gut organisiert. Ein Buffet, das für alle etwas bot und Getränke sowieso.

Die Hinreise war die Zeit der Überlegung. Wen kennst du? Wer sollte auf jeden Fall dabei sein? Erkennst du sie wieder?

Fast alle erkannte ich und mein fragendes Gesicht ergab auch sofort die Antwort. „Kerstin, wir hatten drei davon … “

Im Mainstream werden Klassentreffen ja gerne durch den Kakao gezogen a la „Hey, schaut her, ich habe dies und das geschafft … “  Diese Klischees gab es nicht.

Thomas bearbeitet den Erdhub für seine Werkstatt mit einem Spaten und wird von Horst gescholten, nicht einen Kleinbagger beschafft zu haben.

Sabine lebt mit ihrem Mann wieder im elterlichen Zweifamilienhaus.

Ulrichs Vater starb am Tag zuvor. Er kam von weiter weg als ich und er freute sich auf dieses Treffen seit Monaten.

Von Andreas weiß ich jetzt, was es mit Hundeallergien auf sich hat.

Wenn ich bei all diesen Menschen Stolz gespürt haben mag, dann war es immer Stolz auf die eigenen Kinder.

Das Treffen selber konnte ich mit einem guten Gefühl verlassen; ich lebe und hatte auch noch keinen Schlaganfall. Nicht alles, was ich tat, war offenbar grundverkehrt.






Samstag, 26. September 2015

Wunsch und Wirklichkeit

Als ich noch in Nordrhein-Westfalen lebte nutzte ich sehr oft die Möglichkeit, das Freilichtmuseum in Detmold zu besuchen. In diesem Museum sind Bauernhöfe aus mehreren Jahrhunderten aus Deutschland zusammen getragen worden. Und die Bezeichnung „zusammen getragen“ trifft es auch ziemlich genau. Alte, sehr alte, Gehöfte wurden abgebaut in dem sie in ihre Einzelteile zerlegt wurden und im Museum dann wieder zusammen gesetzt also wieder neu aufgebaut wurden.

Das Freilichtmuseum zeichnet sich für mich dadurch aus, dass es erstens sehr weitläufig ist, dass es eine ungemein liebliche Detailtreue an den Tag legt und dass es lebt. Dass es lebt heißt, das in dem Museum ursprüngliche Tätigkeiten nachgelebt werden: Es wird gesponnen, geschmiedet, gesät und geerntet; früher vorkommende Tierarten, die es heute so nicht mehr gibt werden zurück gezüchtet; ebenso nicht mehr bekannte Apfelbäume, deren Früchte in der Saison im Museumsshop zum Verkauf angeboten werden.

Sehr oft bin ich durch dieses Museum gewandert und der Begriff Wandern ist durchaus angemessen: es ist, wie schon geschrieben wirklich sehr weitläufig.

In den Bauernhäusern faszinierte mich immer wieder die funktionale Einfachheit verbunden mit handwerklich geschickt angefertigten und schön anzusehenden Möbeln. Das alles wird umrahmt von olfaktorischen Erlebnissen. Es ist schlicht unmöglich, Gerüche zu beschreiben. Altes Holz, Stroh, Heu und Erzeugnisse aus Leder; ich bedaure es sehr, keinen Jean-Baptiste Grenouille beauftragen zu können, daraus ein Parfüm herzustellen.

Beim Durchstreifen der Häuser gebe ich mich ungeniert der Idylle hin, wohl wissend, das rein gar nichts daran etwas mit Idylle zu tun hatte. Das Zimmer des Knechts ist klein und hat auch im Winter mangels einer Heizung Außentemperatur. Darin steht ein Bett, ein Hocker, das Nachtgeschirr und eine Truhe, die mit viel Glück von allem zwei hatte: Zwei Hemden und zwei Hosen. Das es auch ein zweites Paar Schuhe gab, nein, soviel Glück war schlicht unmöglich.
Fließend Wasser gab es allenfalls am nahe gelegenen Bach und es war kalt, immer. Das mit dem Waschen ließ eins dann lieber sein, aber was soll‘s, wenn alle stinken fällt es dann auch niemandem mehr besonders auf.
Wenn ich meinen eigenen Wunsch nach Einfachheit und Überschaubarkeit mit diesen Gegebenheiten abgleiche, muss ich mindestens schmunzeln. Einfach ja, aber bitte modern.

Und die Idylle? Ja, sie ist trotz allem in meinem Kopf.




Freitag, 28. August 2015

Eine ziemlich verrückte Idee

Ich hadere ja schon recht lange mit meinem Job, empfinde ihn als stupide und nervtötend und von Entwicklung nicht einmal den Hauch einer Spur.
Ernsthaft hatte ich mich bereits mit dem Gedanken befasst, den Job aufzugeben und noch einmal zu studieren. Das sind halt so Sachen, die 50-jährige typischerweise so vorhaben. Ich muss gestehen, ich trau‘ mich nicht. Vor 15 Jahren, also mit Mitte 30 hatte ich schon mal alles gecancellt, habe mich zum SAP-Programmierer ausbilden lassen und bin gescheitert. Jetzt stelle ich mir vor, mit Mitte 50 auf den Arbeitsmarkt zu treten, zu winken und kund zu tun, hey ich bin, ich kann jetzt dies und das … mir fehlt irgendwie der Glaube daran, dass das funktionieren könnte.

Gerne lerne ich Neues und wenn es nach meinem Rhythmus gehen kann, lasse ich mich auch gerne darauf ein. Deshalb die Idee, statt eines Studiums eine qualifizierte Weiterbildung zu absolvieren. Angebote dazu gibt es reichlich. Viele habe ich mir auch genauer angeschaut und von einigen war ich recht angetan.

Dazu durchringen konnte ich mich nicht.
Die Kosten waren nicht der entscheidende Aspekt. Gedanklich befasste ich mich mit den interessanten Inhalten und ich überlegte weiter.  Außer beim Programmieren fällt es mir sehr schwer, mich nach vorgegebenen Strukturen zu verhalten. Ich kann nicht nach Noten Musik machen und auch nicht nach Rezept kochen. Die Möglichkeit der eigenen Variationen ist für mich offenbar zwingend notwendig.
Und so geht es mir auch mit dem Lernen. Ein von anderen vorgegebenen Lernplan vermag ich kaum einzuhalten.

Ich konsultierte mein Notizbuch und habe mal zusammengefasst, was mich so alles interessiert, was ich noch so gerne lernen möchte. Und dabei kam mir die Idee, aus meinen ganz eigenen Interessen einen eigenen Studienplan aufzustellen, quasi einen neuen Studiengang zu erfinden. Einen Namen hat dieser Studiengang noch nicht, bin aber dabei, auch diesen zu erfinden. Und irgendwann werde ich dann mal einen neuen Beruf erfinden.

Für meine Verhältnisse ist das alles schon ziemlich krass. Nur, dass es so krass ist, gibt mir die Motivation, das auch neben meinem stupiden Job durchzuziehen.


Wir sehen uns.

Sonntag, 23. August 2015

Hacking the System

Meine Großväter habe ich leider niemals kennen lernen können. Sie waren bereits beide vor meiner Geburt verstorben.

Beide Großväter lebten in einer Zeit, in der sie gestandene Männer waren, für ihre Familien sorgten und der Regierungschef Hitler hieß.

Die Weimarer Republik brachte sehr viele Parteien und Gruppierungen hervor. Die einen wollten die Republik und Gerechtigkeit („der gerechte Lohn“) für die arbeitenden Menschen. Andere wollten die Republik zerschmettern und zurück ins Kaiserreich. Die Weimarer Republik kam politisch gesehen, nie ins Reine mit sich selber.

Es gab z.B. die Deutsche Arbeiterpartei, DAP. Sie verfolgte ihrem Namen entsprechend die Interessen der arbeitenden Bevölkerung. Diese Partei war klein und eher unbedeutend im politischen Geschehen, wie viele andere auch. Der Gefreite und Postkartenmaler Adolf Hitler trat als 55. Mitglied in diese Partei ein. Er profilierte sich und seiner ganz genauen politischen Richtung wohl noch nicht so ganz klar nannte er die Partei um: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die NSDAP, die Nazis also. Zur damaligen Zeit hatte natürlich niemand ein Problem mit dieser Parteibezeichnung.

Die Weimarer Republik wurde ins kalte Wasser der Demokratie geschubst und wenige Beteiligte konnten damit entsprechend umgehen. Statt Argumente auszutauschen haute eins sich lieber. Die ganz Extremen bildeten sogar parteieigene Schutzeinheiten, damit der entsprechende Redner auf Versammlungen ungestört polemisieren konnte.
Extrem verfeindet waren die Kommunisten in Form der KPD und die Nazis als NSDAP. Funfact: Vergleicht eins die Parteiprogramme dieser so diametral gegenüberstehenden Parteien, würde sehr leicht erkennbar sein, dass diese Parteien aufgrund ihrer Programmatik sehr gut hätten koalieren können; aber das nur so am Rande.

Mein Großvater mütterlichseits interessierte sich für Politik und er wollte mit dabei sein. Er war Arbeiter, hatte sozialistische Ideen und Deutschland war ihm nicht unwichtig. Damit seine Leute ungestört ihre Ideen in Versammlungen kund tun konnten, war es ihm wichtig, sie zu schützen. Er beteiligte sich also an dem Saalschutz, der heute fast nur noch unter dem Kürzel SA (Sturmabteilung) bekannt ist.

Mein Großvater hatte niemals mit dem Denken aufgehört. Er vernahm, was gesagt wurde, interpretierte es und zog Schlüsse daraus. Eines Tages erwähnte er gegenüber meiner Großmutter, dass alles, was Hitler will, Krieg ist. Dabei wolle er nicht mitmachen.

Da bist du also in Nazi-Deutschland SA-Soldat und willst aussteigen. Mit einer reinen formellen Kündigung hätte das damals einfach nicht funktioniert. Die entstandenen Restriktionen für sich und der eigenen Familie wären unausdenkbar gewesen.

So toll, wie die Nazis alles erfasst, aufgeschrieben und organisiert haben, waren sie es nicht in allen Punkten. Mein Großvater zog mit seiner Familie in einen anderen Stadtteil und gab bei der Behörde nicht mehr an, dass er zur SA gehört. Diese Simplizität hat funktioniert und ist kaum zu glauben.

Die SA-Uniform tauschte mein Großvater gegen Nützliches.





Samstag, 1. August 2015

Chiara und die alte Abtei
Chiara Ravenna

Die Geometra Chiara erhält den Auftrag, im Süden Italiens eine verlassenen Abtei zu dokumentieren, weil diese unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Die auf dem Weingut ihrer Eltern lebende Chiara macht sich mitten im heißen Sommer auf den Weg in das kleine Dorf Coresi und erfüllt ihren Auftrag.

Das ist der Rahmen eines Buches, das eher unspektakulär, leicht zu lesen und italienisches Ambiente verströmend daher kommt.

Als ich las, Italien und Abtei fiel mir sofort Ecos Name der Rose ein; doch dieses Buch hat damit überhaupt nichts zu tun, außer, dass es in Italien spielt und es auch um eine Abtei geht.

Tiefgang darf eins nicht erwarten und das schreibt die Autorin auch recht geschwind zu Anfang des Buches. Es ist eine leichte, fröhliche Sommer-Lektüre, die ich zu gerne in einem großen, etwas verwilderten Garten unter dem Schatten eines Baumes gelesen hätte, während die im Buch oft zitierte Sommerhitze um mich herum flimmerte.

Chiara ist der Typ Mensch, der mich immer wieder fasziniert. Sie hat es drauf, sich in atemberaubender Geschwindigkeit mit fremden Menschen bekannt zu machen und versteht es, die Hilfe dieser Menschen anzunehmen; etwas, das mir niemals gelingen wird.
Sie fährt einfach in das Dorf Coresi, ohne vorher klar gemacht zu haben, wo sie denn dort unterkommen könnte. Erste Anlaufstelle ist Francescos Bar, der ihr als alteingesessener Dorfbewohner umgehend eine Wohnung vermitteln kann.

Die Facetten der Abtei, um die es geht, umklammern die Handlungen des Buches. Eine lokale Baugröße möchte sie am liebsten abreißen, um dort ein gewinnbringendes Hotel zu errichten, andere forschen nach Schätzen und wiederum andere erforschen die Geschichte des Bauwerks.

Das mit den Schätzen hält Chiara für eine Legende und wird am Ende des Buches mit dem Gegenteil überrascht. Der Baugröße schlägt sie ein Schnippchen, indem sie en passant Beweise vorlegt, dass die Abtei eine Fundstelle für Archäologen ist und damit auf Jahre der Wissenschaft zur Verfügung zu stehen hat.

Und immer wieder Chiaras Restaurantbesuche. Wäre das Buch die ganze Welt oder ein eigener Kosmos, müsste eins diese Besuche als legendär einstufen. In einer ihr unbekannten Gegend gelingt es ihr, auf den Punkt genau die besten Restaurants zu finden. Nun ja, für mich ist das beeindruckend, für eine Italienerin, die hervorragendes Essen zu schätzen weiß, ist ihr das wohl in die Wiege gelegt worden. An Beschreibungen, was Menge und Qualität der Gerichte betrifft, mangelt es in keinster Weise. Auf mich erzeugte das den Eindruck: Das ist südländische Lebensart. Nach dem Lesen des Buches hatte ich das Gefühl, 3 kg zugenommen zu haben. Dass das nicht wirklich passierte ist schon klar und am Ende des Buches klärt die Autorin auch auf: Viel essen ist nicht gleich viel essen. Es geht um die Qualität und um die Art und Weise des Essens. Variantenreiches Essen wird genossen und das in der Zeit, die dafür erforderlich ist und dauert es auch drei Stunden.
Sehr interessant für mich war, dass sich die besten Restaurants dadurch auszeichnen, dass sie gar keine Menükarte haben. Eins geht hinein, lässt sich einen Tisch zuweisen und fragt nach Empfehlungen. So genial ich das empfinde, so sehr wäre ich irritiert, um nicht zu sagen verstört, wenn ich keine Menükarte vorfinden würde. Ich bin nun mal so gestrickt.

Mit Chiara und die alte Abtei durfte ich für kurze Zeit in eine andere mir fremde und doch angenehm wirkende Welt hüpfen. Der Schreibstil trug dazu bei, dass ich das Gefühl hatte, mich immer in Echtzeit neben Chiara und ihren Erlebnissen zu befinden.








Sonntag, 26. Juli 2015

Zahlen bitte

Und es begab sich, dass ich in diesem Jahr 50 Jahre alt wurde. Ein runder Geburtstag also, der für Viele ein noch überzeugenderer Grund ist, zu feiern. In einem größeren Stil als die Jahre zuvor.
Und wenn dann mal ein Gespräch auf dieses Thema kommt, ist mein Gegenüber recht verwirrt, wenn ich sage, dass ich nicht gefeiert habe. „Aber so etwas muss doch gefeiert werden“ ist dann die übliche Erwiderung.

Meine Geburtstage habe ich nie gefeiert, von denen, die meine Eltern als Kindergeburtstage organisierten mal abgesehen.

Wenn ich denn so gestrickt wäre, Geburtstage zu feiern, dann wäre es gewiss nicht der 50. gewesen; ich hätte dann zum 49. richtig einen drauf gemacht. Warum?

Die Zahl 50 ist ja eine eher langweilige Zahl, sie hat nicht das Potential besonderer Beachtung. Diagonal konträr dazu verhält es sich mit der 49. Diese Zahl ist eine wirklich spannende Zahl.

Was macht die 49 aus?

49 ist eine Quadratzahl. Sie ist das Produkt aus 7 mal 7. Und die 7 ist eine Primzahl. Für mich ist das beachtenswert, weil Primzahlen auf mich eine Faszination ausüben, die ich leider so gar nicht in Worte fassen kann.

49 setzt sich aus den Ziffern 4 und 9 zusammen, die ebenfalls Quadratzahlen sind: 2 mal 2 und 3 mal 3; dabei handelt es sich um die ersten beiden Primzahlen überhaupt. Ziehe ich von 9 2 ab, erhalte ich 7; addiere ich 4 und 3 erhalte ich auch wieder 7; quadriere ich 7, bin ich bei 49.

4 und 9 ergeben in der Summe 13, eine weitere Primzahl, die 6. Und dann bin ich bei 6 aus 49, ein sehr beliebtes Lottospiel hier in Deutschland.

Alle bisher aufgetauchten Primzahlen (2, 3, 7, 13) ergeben in der Summe 25. Wieder eine Quadratzahl, deren Wurzel 5 ist, die nächste Primzahl. Jetzt habe ich 5 Primzahlen und würde ich den Faktor 10 (2 mal 5, also wieder 2 Primzahlen) anwenden, gelangte ich zur 50.


So bin ich nun also von der spannenden Zahl 49 doch noch zur nicht so spektakulären Zahl 50 gelangt.

Ich weiß: +1 hätte es auch getan.

Samstag, 4. Juli 2015

Transformation
Ein Experiment

Spiritualität erschließt sich mir nicht. Kann, möchte ich das ändern? Und wenn ja, wie?

„Der Weise lebt still inmitten der Welt, sein Herz ist ein offener Raum.“ [1]

Jetzt begebe ich mich auf dünnes Eis und unternehme den Versuch, das Zitat mathematisch darzustellen.

Ich beginne mit der Eingrenzung / Definition der Begrifflichkeiten.

Der Weise: Ein Element der Menge Menschen.

Lebt: Etwas, das nur dadurch erkennbar wird, wenn mindestens 2 Zeitpunkte betrachtet werden und wenn das Objekt dazu jeweils verschieden Zustände hat; kann durch eine Linie oder Kurve dargestellt werden, also eine Funktion.

Still: Wäre dann der bestimmte Verlauf der vorerwähnten Funktion / Kurve.

Inmitten der Welt: Ein Element der Menge Orte.

Sein Herz: Ein Element der Menge Der Weise.

Ein offener Raum: Ein Zustand des Elements Sein Herz.

Wie gehe ich jetzt weiter voran? Ich kann es rein optisch oder auch inhaltlich tun, denn mir fällt auf, dass die Definition „Lebt“ die längste Beschreibung hat. Das könnte ein Aufhänger sein.




 















Ich habe das Thema in einem kartesischen Diagramm dargestellt.
Der Weise ist die Kurve (in diesem Fall eine Gerade) mit der Funktionsvorschrift:

f(x) = x1 + (y2 – y1) + x

Zu jedem Zeitpunkt x ergibt sich ein von Zeitpunkt x abhängiger Zustand y. y ist also immer verschieden, also „lebt“ da etwas / der Weise.

Wie der Weise lebt ergibt sich aus f(x). In diesem Fall still. f(x) könnte aber auch sein:
f(x) = xⁱ

„In mitten der Welt“ ist das Diagramm an sich. In so einem Diagramm lassen sich ganz viele unterschiedliche Kurven (Weise / Menschen) beschreiben.

Jetzt bin ich bei „Sein Herz“ und „ein offener Raum“.
Für mich ist das eine Schlussfolgerung. „Sein Herz“ ist ein Teil / Element von „Der Weise“ also ein Element aus f(x). Der offene Raum ist die Veränderung des Diagramms. In meinem Beispiel ist es zweidimensional; es spricht nichts dagegen, dass es auch drei- oder n-Dimensional sein könnte. Ein Teil / Element der Kurve kann sich beliebig irgendwo befinden, prinzipiell also überall.

Hat sich mir Spiritualität jetzt erschlossen?
Vom Zeitpunkt x1 (Beginn des Artikels) aus hat sich bis x2 etwas verändert: Artikel ist fertig, es gab also eine Zustandsveränderung. Die Verfertigung des Artikels geschah in aller Stille; sie hätte allerdings auch bei Baulärm stattfinden können. Ich schrieb am Schreibtisch und hätte es auch am Strand tun können; ich wählte ein kartesisches Diagramm und hätte auch ein anderes wählen können. Selber sehe ich mich als irgendeine Kurve (irgendein Element der Menge Menschen und gewiss nicht als das Element „Der Weise“).

Ich habe den Eindruck, dass mir die Transformation nicht wirklich geglückt ist, bin froh, das Experiment durchgeführt zu haben und freue mich über jede Art von Anmerkungen dazu.


[1] Ein Zitat von Lao-Tzu
Ich habe nicht überprüft, ob das tatsächlich ein Zitat von Lao-Tzu ist. Mir geht es nur darum anzumerken, dass es nicht von mir ist.




Samstag, 27. Juni 2015

Asteroid Now
Florian Freistetter

Das ist das mittlerweile sechste Buch von Florian Freistetter. Und natürlich geht es auch hier um Astronomie und dieses Mal wird es sehr speziell.

Der in Jena lebende Florian Freistetter ist Astronom und blogt u.a. über dieses Thema auf „Astrodicticum Simplex“. Wer Spaß an verständlicher Wissenschaft im allgemeinen und Astronomie im speziellen findet, dem sei das Blog wärmstens empfohlen. Zu hören ist er auch regelmäßig auf Wrint.de zusammen mit Holger Klein unter der Rubrik „Wissenschaft“. In einer der Sendungen erwähnte er auch einmal, dass Asteroiden ein Spezialinteresse von ihm sei.

Die Tatsache, dass es unseren Planeten nicht immer geben wird, hat mittlerweile Gewissheit erlangt. In 4,5 bis 5 Milliarden Jahren ist Schluss. Schluss für uns ist es allerdings sehr viel früher. Der Brennstoff der Sonne (Wasserstoff) wird irgendwann ausgegangen sein (wann genau, das können Astronomen berechnen), die Sonne wird sich irgendwann aufblähen und dabei immer noch heiß genug sein, um die Erde zu verschmoren. Und ob wir es als Menschen überhaupt so lange schaffen, das ist wirklich sehr ungewiss.

So, wir wissen heute also schon, dass die Erde einmal das Zeitliche segnen wird. Was tun? Nun, zum einen könnten wir das alles auf uns zukommen lassen und die Ereignisse nehmen, wie sie kommen. Wir könnten aber auch abhauen und uns einen neuen Planeten suchen, auf dem es sich ähnlich leben lässt wie auf der Erde. Wollen wir das tatsächlich tun, braucht es nicht lange um zu erkennen, dass wir vor einem gewaltigen Haufen von Problemen stehen. Um genügend und vor allem auch geeignete Raumschiffe zu bauen, haben wir hier auf unserem Planeten nicht die Ressourcen in der Menge, wie wir sie bräuchten; uns fehlen schlicht die Rohstoffe. Das, was uns fehlt gibt es allerdings im Weltall reichlich, wenn auch sicherlich nicht unerschöpflich. Wenn wir aber nur an einen Teil dieser Rohstoffe herankämen, wäre uns schon sehr geholfen.

Asteroiden haben diese Rohstoffe und Asteroiden gibt es immens zahlreich. Wir müssten nur irgendwie da dran kommen können. Die NASA betreibt ein Projekt zum „Einfangen“ eines Asteroiden. Selbst wenn das gelingen würde, wäre es nicht besonders ökonomisch, diesen oder auch andere Asteroiden „abzubauen“ und die Rohstoffe zum Bau von Raumschiffen auf die Erde zu bringen. Es kostet nun einmal verdammt viel Energie und Rohstoffe, das Gravitationsfeld der Erde zu verlassen. Die Ausbeutung von Asteroiden in diesem Sinne könnte also zu einem Nullsummen-Spiel führen.
Wir sollten also besser Raumstationen einrichten, z.B. auf dem Mond, um von dort dann weiter und ressourcenschonender ins Weltall vordringen zu können.

Ach ja, Raumschiffe bauen … Wir könnten ja auch einen entsprechend geeigneten Asteroiden so umbauen, dass dieser selbst zu einem Raumschiff wird, auf dem wir dann durchs Weltall auf der Suche nach einem neuen Planeten reisen.

Das alles hört und liest sich nach abenteuerlichster Science Fiction an. Vieles davon ist es auch. Das aber auch nur so lange, bis wir über Technologien verfügen, die uns all das ermöglichen. Jules Vernes „Reise zum Mond“ war ja auch mal reine Fiktion.

Florian Freistetter beschreibt in seinem Buch schon sehr detailliert die Lösungsmöglichkeiten der Probleme. Er berichtet von Projekten und wissenschaftlicher Forschung, die das Ziel haben uns in die Lage zu versetzen nach anderen Planeten Ausschau halten zu können.

„Asteroid Now“ ist ein populärwissenschaftliches Buch. Für mich persönlich ist es allerdings auch ein sehr politisches Buch. Wenn wir uns wirklich auf den Weg zu einem anderen Planten begeben wollen, müssen wir erst einmal eine Reihe von Problemen lösen, die nicht sehr viel mit der Entwicklung neuer Technologien zu tun haben. Wir (alle Menschen) müssen uns endlich einmal zusammen raufen und gemeinsam an etwas arbeiten jenseits von Krieg, Totschlag und Unterdrückung. Wir müssen erkennen, dass die Erkundung neuer Planeten das Miteinander aller Menschen erfordert. Wir brauchen uns alle für dieses Projekt, sei es in Form von Arbeitskraft oder in Form von Ideen. Alle müssen daran beteiligt sein und werden. Es ist gut, dass das Braten der Erde erst in ein paar Milliarden Jahren beginnt. Allerdings brauchen wir aber auch entsprechend viel Zeit. Ich glaube nicht, dass das unter ein paar tausend Jahren und sehr vielen Generationen getan sein wird.

Asteroid Now: Lesen jetzt!









Samstag, 20. Juni 2015

Montag, 7. Januar 1980

Alles war ruhig für Jahre. Niemand machte sich Sorgen. Das Leben ging seinen Gang und alle waren zufrieden.
Das  da etwas war, das unangenehm spucken konnte, damit war absolut nicht zu rechnen und es rechnete auch niemand damit, bis es dann doch geschah.

Der Vulkan explodierte plötzlich. Kein Seismologe hatte irgendetwas mit seinen Messinstrumenten vorher aufzeichnen können. Die Spitze des Berges flog gen Himmel und zeitgleich spuckten Feuer und Rauch hinterher. Und es gab immer mehr Feuer und Rauch und heiße Lava, die sich über alles Leben erströmte und es tötete. Kein Mensch war in der Lage, dieser Geschwindigkeit der Zerstörung zu entfliehen. Es dauerte Tage, Monate und Jahre an. Es gab längst nichts mehr zu zerstören, doch das feuernde Magma interessierte das nicht, es strömte sich den Weg aus dem Berg heraus.

Und irgendwann kam die Zerstörung an ihr Ende. Das niemals beabsichtigte Ereignis hörte einfach auf. Schutt, Asche und Rauch blieben. Für Jahrzehnte. Die heraus gespuckte Asche verdunkelte den Himmel für Jahre, das Sonnenlicht hatte keine Chance durchzukommen. Alles war grau und kalt und unangenehm anzufassen. Das war das Ende.

In Wirklichkeit war es das Ende nicht. Zarte Pflänzchen, die so zart gar nicht waren, strebten dem Leben entgegen. Sie ertrugen Dunkelheit und Grau und Kälte und erkannten ihre Chance, jetzt wieder wachsen zu können. Die Asche verflog, Licht breitete sich aus, Wärme erreichte das Leben und das Leben fing wieder von vorne an. Wenn aus Asche und Ruinen Neues aufgebaut wird, ist es oft recht schmutzig und es darf sich trotzdem darüber gefreut werden.


Nicht immer wird alles gut, aber wenn, darf eins das durchaus als Geschenk von wem auch immer betrachten.
Belügen mich meine Analogien?

Assoziationen sind eine Leidenschaft von mir; sie finden ständig in mir statt. Gerade Erlebtes vergleiche ich mit vorhandenen Erfahrungen. Seit dem ich mir das mal bewusst gemacht habe, ist mir aufgefallen, dass ich bewerte und einschätze und das meistens recht unbewusst. Das irritiert mich. Wenn ich etwas bewusst tue, bewusst nachdenke, kann ich Fehler und / oder Lücken in meinen Betrachtungen finden und aktiv korrigieren und ergänzen. Übernimmt das Unbewusste die Kontrolle, bin ich außen vor und es passiert irgendetwas, das affirmativ wirkt. Das kann gut sein oder auch nicht.

Seit geraumer Zeit begegne ich morgens beim Joggen einem Flaschensammler auf meiner Strecke. Das sind Menschen, die u.a. auch in Müllbehältern nach weggeworfenen Flaschen suchen, auf die es Pfand gibt. Für eine Flasche gibt es 8 Cent, für eine Aluminium-Getränkedose sind es immerhin 25 Cent. Die Pfandpflicht auf diese Produkte hat dazu geführt, dass sie nur noch spärlich einfach so in die Gegend weggeworfen werden.

Dieser Mensch also ist genauso früh unterwegs wie ich und sammelt Flaschen ein. Mein erster unbedachter Gedanke dazu war, dass er wohl ein ALG II-Empfänger sein müsse, der seine staatliche Unterstützung aufbessern will. Jedes Mal wenn wir uns begegnen, vermeide ich es, ihn genauer anzusehen. Im Vorbeirennen und aus dem Augenwinkel heraus bemerke ich, dass er normal leger gekleidet ist wie viele von uns, wie auch ich, nichts Abgerissenes, nichts Verschmutztes.

Warum nur war mein erster Gedanke, dass es sich um einen ALG II-Empfänger handelt? Was er tatsächlich ist, weiß ich überhaupt nicht; nie sprach ich mit ihm, geschweige denn hatte ihm Fragen gestellt. Er könnte doch auch ein strunz-reicher Mensch sein, der einfach nur noch mehr haben will.

Meine Bewertung zu diesem Menschen ergibt sich aus meinen Analogien. Menschen, die im Müll nach noch Brauchbarem suchen, haben kein oder zu wenig Geld für ihren Lebensunterhalt. In der Mehrzahl der Fälle ist das sicherlich auch so. Bemerkenswert für mich ist dabei, dass meine Analogien mein Denken und Bewusstsein fixieren, mich quasi gedanklich führen. Dem kann ich nur entgegen treten, indem ich aktiv reflektiere. Ich frage mich nur, wie oft ich das nicht tue, weil ich mehr oder weniger bewusstlos durch die Gegend laufe und mich durch permanent unbewusste Analogien belügen lasse oder Menschen und Situationen falsch bewerte aufgrund fehlender Informationen? Ich habe das unangenehme Gefühl, dass in jede meiner Wissenslücken sofort eine Analogie springt und sich dort so lange austobt, bis ich selber genau hinschaue und sie dann mit genauem Wissen einfach mal erschlage oder ihr gegebenenfalls zustimme.

Ob ich wohl diesen Menschen einfach mal frage?




Freitag, 5. Juni 2015

Bitte doch kopieren

Ich habe eine Idee und wenn du dieselbe Idee unabhängig von mir danach hast, darfst du sie nicht mehr haben. Ich habe eine Idee und wenn du sie aufgreifst und veränderst, meinetwegen auch verbesserst, darf das nicht sein. Ich habe eine Idee und wenn du sie verbreitest musst du mich dafür bezahlen.

So ungefähr lässt sich Schutz von geistigem Eigentum beschreiben.

Geistiges Eigentum: Für mich ein Ungetüm. Von meinem Vater kenne ich den Spruch seines Vaters,  also meines Opas, dass eins alles verwenden darf, sofern die Hände in den Taschen bleiben, also alles, was eins so angeboten bekommt mit Augen und Ohren aufnehmen und verwerten darf. Das war zu einer Zeit ohne die heutige allgegenwärtige Digitalisierung. Menschen schauten sich gegenseitig Fertigkeiten ab und taten damit, was ihnen beliebte oder auch nicht. Niemand störte sich daran.

Die Kopie als solche wurde verteufelt als sie einfach anzufertigen war. Copy und paste, vier Mal eine Taste gedrückt – einzeln und auch gleichzeitig – der Untergang des Abendlandes ist nah.

Das Morgenland kümmert das wenig, im Gegenteil. Die Anfertigung einer Kopie wird als Huldigung an den Schöpfer des Originals gesehen. Diese Geisteshaltung gab es auch schon im Abendland: Sir John Isaac Newton bekannte sich dazu, auf den Schultern von Riesen zu stehen. Er kopierte und entwickelte weiter. Und nicht nur er. Alle Forscher tun und taten es. Was hätte Einstein ohne Maxwell und Faraday ausrichten können?


Ich denke nicht, selber etwas Kopierenswürdiges zu schaffen, aber wer mag, bitte …

Mittwoch, 20. Mai 2015

Ich bin besser als du

Wir leben in einer Zeit, in der viele und auch tiefgreifende Veränderungen stattfinden. Ja, ich hätte auch schreiben können, draußen findet Wetter statt. Zu jeder Zeit gab es Veränderungen, nur die, die jetzt stattfinden erleben wir qua lebendig sein und lesen es nicht in Geschichtsbüchern, die, was das Menschliche angeht so grob sind wie ein Netz zum Luft fangen.

Menschliche Aktivität beeinflusst das Klima. Dieser Satz in bestimmten Kreisen geäußert würde dazu führen, dass ich Haue bekäme. Ja ne, ist klar, Jahr für Jahr seit 150 Jahren zusätzlich eine Chemikalie in die Umwelt aussetzen verhält sich selbstverständlich neutral.

In den 70ern des letzten Jahrhunderts gab es noch jede Menge an Serien und Filmen, in denen geraucht wurde, so als würde das noch extra honoriert werden. Gibt es heute kaum noch, sehe ich zumindest nicht mehr.

In dem o.g. Zeitraum stand die gleichgeschlechtliche Liebe noch unter Strafe. Das Strafgesetz sah sogar mehrjährige Gefängnisstrafen vor. Wenn die Selbstverständlichkeit dafür auch heute noch nicht bei jedem angekommen ist, so sehe ich doch, dass sich Homosexualität institutionalisiert. Will heißen, jede Organisation, die etwas auf sich hält vermeidet immerhin den Eindruck von Homophobie, ja und der Rest erledigt sich durch Aussterben.

Tja, meine Sozialisation geschah unter anderem mit dem Einsatz von Fleisch, Milch und Eiern. Und damals gab es bereits Menschen, die sich als Vegetarier bezeichneten, also immerhin auf den Konsum von Fleisch verzichtet hatten. Das war schon sehr exotisch. Heute braucht damit keiner mehr um die Ecke zu kommen; vegan muss es jetzt mindestens sein, also auch noch ohne Milch und Eier.

Vieles verändert sich, ob mir das nun gefällt oder auch nicht, es passiert halt. Viele Menschen meinen, eine Lebensform gefunden zu haben, die so gut ist, dass auch alle anderen diese Lebensform übernehmen sollten. Sie setzen sich dafür ein, werben dafür; das finde ich völlig in Ordnung.

Oft habe ich allerdings den Eindruck, dass die Werbung für das Gewollte eher ungeschickt ist.

Auf Zigarettenschachteln lese ich den Hinweis (sofern ich ihn überhaupt noch wahrnehme), „Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit“. Ja, tut es – ich gähne gelangweilt – gehe ich vor die Tür über die Straße, gefährde ich meine Gesundheit auch.

CO2-Emissionen führen zu Erwärmung und Erhöhung des Meeresspiegels. Fleischkonsum fördert das Quälen von Tieren …
Ja, ja und nochmals ja. Ich soll mein Verhalten ändern und ich sage nicht, dass ich dazu nicht bereit wäre. Um dem Laster des Rauchens abzuschwören werden mir deformierte schwarze Lungen präsentiert; warum nicht fitte Menschen, die auch noch in hohem Alter die 5 Etagen zu ihrer Wohnung hinauf spurten? (übrigens: in der Werbung der Tabakindustrie erscheinen nur fitte und toll aussehende Menschen)
Ich gebe zu: mein Fleischkonsum erzeugt auch in mir immerhin so etwas wie kognitive Dissonanz; auch ich halte die Produktionsbedingungen für mindestens fragwürdig. Veganer weisen mich oft und gerne darauf hin, gerne auch noch mit Fotos und Videos, die ich ob der darauf gezeigten Grausamkeiten nicht ansehen mag. Warum werde ich von denen nicht mit Rezepten überschwemmt, die ohne Tierprodukte auskommen? Ich täte das.

Ach ja, denke ich an Schwule und Lesben, dann habe ich ein Bild voll bunter Farben im Kopf.